Dienstag, 6. April 2010

Gastbeitrag: "You are lost, aren´t you?" - Tangueras in Berlin

Es ist mir eine ganz besondere Ehre, einen Gastbeitrag einer treuen und wertvollen Kommentatorin zu veröffentlichen. Raxie war über Ostern in Berlin und übermittelte mir per eMail ihren Bericht. Ich bedanke mich - auch im Namen der Leserinnen und Leser - ganz herzlich.

"You are lost, aren´t you?" - Tangueras in Berlin
(Ein Erfahrungsbericht zu den Ladies Easter Tango Tagen in Berlin)
Fünf Tage Tango in Berlin ohne Tanzpartner, ob das gut gehen kann? 35 Tangueras bunt gemischt aus der gesamten Bundesrepublik haben sich zu den Ladies Easter Tango Tagen in Berlin im La BerlINESa zu den Frauenkursen angemeldet. 12 Kurse auf fünf Tage verteilt und ausschließlich für Frauen. Die Kurse selbst waren auf jeweils 20 Teilnehmerinnen begrenzt, womit der Grenzwert in einzelnen Kursen fast überschritten war. Viele der Damen kamen aus Berlin und hatten sich bewußt einzelne Kurse herausgepickt, andere waren aus Kassel, Düsseldorf, München, Passau, etc angereist und machten fast alle Kurse mit. Wenn schon, denn schon.

Pilatango
Jeder Tag startete mit Pilatango, also einer Synthese aus Pilates und Tango. Keineswegs neu ist der Gedanke, systematisches Ganzkörpertraining mit den spezifischen Anforderungen des Tangotanzens zu kombinieren. Immer öfter sind entsprechende Gedanken Bestandteil des Kurses in Frauentechnikkursen auch von Argentinierinnen. Zu Recht. So wie man in Rückenschulen lernt, schwere Getränkekisten richtig zu heben, ohne den Rücken zu ruinieren, so hat Tanzlehrerin Guggi den Tangueras über das Einüben von Atemtechniken und speziellen Bewegungsabläufen tiefe Kenntnisse über gesunde, elegante und körpergerechte Bewegungsabläufe gegeben. Neben fundierter Sachkenntnis über die menschliche Anatomie überzeugten die Kurse durch ganz praktische Bezüge zum Tango: Wie steht Frau richtig, wo genau ist das Gewicht, was passiert mit der Hüfte, wenn ein Schritt angesetzt wird, wie dreht sich der Körper genau bei einem Ocho... Vier Pilatango Kurse waren eindeutig zu wenig, so spannend und hilfreich sind die vermittelten Inhalte.

Technikkurse
Die verbleibenden acht Kurse waren als Frauentechnik angekündigt, ohne konkrete Einzelthemen. Das war bewußt so von Ines Moussave, der Besitzerin des BerlINESa angelegt, da sich erfahrungsgemäß alle Damen für Kurse zu Verzierungen anmelden, die Frauentechnikkurse aber leer ausgehen. So waren Grundlagen der Frauentechnik und einzelne Schwerpunktthemen zu Rhythmik und Verzierung jeweils gemischt in den Kursen, was sich als sehr wertvoll erwiesen hat. Mal ging es um Einzelaspekte des Ochos bis hin zur Verzierung innerhalb des Ochos, mal war es mehr die Rhythmik und der Ausdruck. Technik alleine hilft gar nichts, wenn die Dame die Musik nicht hört und interpretiert. Der Herr kann zwar das Angebot zum Schritt/Ocho (was auch immer) machen - aber setzen muss die Damen den Schritt selbst, sie muss entscheiden wann genau (!) sie den Schritt setzt, mit welchem Audruck sie ihn interpretiert und welche Präsenz sie dabei hat. Es ging in den Kursen also keineswegs nur um reine Technik, sondern auch sehr viel um das Selbstverständnis der Tanguera. Unterschwellig musste sich jede der Damen mit sich selbst, ihrem Selbstbewußtsein und ihrer Präsenz auseinandersetzen. Da war das Halten der Balance und eigenen Achse mitunter das kleinere Problem... Und natürlich sind auch hier insgesamt acht Kurse viel zu wenig!

Drumrum
Das BerlINESa ist ein ausgesprochen gemütliches und stilvolles Tangoatelier Mitten in Berlin. Im 5. Stock oben unter dem Dach vermitteln die schrägen Wände mit eingebauten Sitzgruppen um die Tanzfläche Charme. Integriert in das Tanzatelier ist die Privatwohnung von Ines Moussavi. Die Küche ist Bestandteil des Übungsraumes, so wie das private Bad von der Garderobe aus zugänglich ist. Die familiäre Atmosphäre sorgte ganz maßgeblich dafür, dass sich alle Damen sofort gut aufgehoben fühlten. Es ging nicht darum, wer ist besser, wer hat die schöneren Schuhe, wer hat mehr Ausdruck etc., sondern es war ein Miteinander. Von relativen Anfängern bis hin zu recht guten Tänzerinnen schienen alle Niveaus vertreten zu sein - und es war eine gegenseitige Bereicherung. In den Kurspausen standen dann frisch geschnittene Obstteller bereit (von Ines), Getränke bis zum Abwinken, Schokolade, Ostereier und Kuchen. Wohlfühlen pur.

Milongas
Für die Abende waren bestimmte Milongas vorgeschlagen. Jede Dame war aber auf sich selbst gestellt, dort hinzukommen und sich dort wohlzufühlen. Einige Damen verabredeten sich, andere wählten lieber Alternativ-Milongas (es gibt pro Abend fast immer mehrere Möglichkeiten, in Berlin Tango zu tanzen) und einige entschieden sich auch ganz gegen eine Milonga. Ganz unterschiedlich waren dann die Erfahrungen auf den einzelnen Milongas. Während die Villa Kreuzberg brechend voll war und auch fremde Tangueras problemlos aufgefordert worden sind, ging es im tangotanzen macht schön vergleichsweise ruhiger zu. Auch dort hatte Frau keine Probleme, aufgefordert zu werden, allerdings war das Publikum nicht so homogen, wie in der Villa. Schwieriger war das im Max und Moritz, einer unglaublich urigen Kneipe, die berühmt für ihre Schnitzel sein soll. Um die Tanzfläche rum wurde denn auch um 21 Uhr noch deftig gespeist. Die dortige Tanzszene war recht jung, kannte sich untereinander offenkundig gut und das Tanzniveau war extrem hoch (was auch daran gelegen haben konnte, dass eine Tangolehrerin an dem Abend ihren Geburstag dort gefeiert hat und sehr viele Tangolehrerpaare anwesend gewesen sein sollen). Jedenfalls saß Frau dort. Nicht nur eine Frau. Für den Abend wäre die Empfehlung, ins Loft zu gehen, wohl besser gewesen. Wer jemals nach Berlin zum Tangotanzen kommt - geht ins Loft! Im letzten Hinterhof der Berliner Industrie-Pampa kaum zu finden - aber dann: Wunderbare Räumlichkeiten, geschmackvoll und stilvoll, bester Holzboden, gemütliche Sitzgruppen, Flügel mitten auf der Tanzfläche, hunderter frischer Schnittblumen, alte Fotos und Gemälde an den Wänden... Einfach nur sehr sehr sehr gut! Und Frau hat keine Chance zu sitzen. Vom rassigen Spanier bis zum freundlich neutralen alleinerziehenden Vater mischt sich dort eine internationale Tanguerogemeinde, die jede Tanguera völlig selbstverständlich integriert.

Taxitänzer
Sehr spannend war das Angebot, sich Taxitänzer buchen zu konnten, eben um genau dem Problem des Sitzens vorzubeugen. Die Kontakte wurden vom BerlINESa aus vermittelt. Zwei Damen der Ladies Easter Tage haben das Angebot angenommen. Pro Stunde waren dem Taxitänzer 30 Euro zu zahlen (Zum Vergleich: Eine Einzelstunde Tangounterricht soll in Berlin im Schnitt 50 Euro kosten). Es standen acht Taxitänzer (davon eine weibliche Taxitänzerin als Führende) zur Verfügung, die meisten von ihnen Anfang bis Mitte 20 Jahre jung und exzellente (!) Tänzer. Auf Anregung einiger Kursteilnehmerinnen wurden alle Taxitänzer zum gemeinsamen Abendessen am zweiten Abend mit den Kursteilnehmerinnen eingeladen, um sich mal gegenseitig beschnuppern zu können. Blind buchen wollte keine der Damen. Und die meisten entschieden sich dann auch grundsätzlich gegen einen Taxitänzer, da sie es nicht mit ihrem Selbstbewußtsein vereinbaren konnten, einen Herrn dafür zu zahlen, dass er mit ihnen auf einer Milonga tanzt. Und da Frau im Vorhinein nicht wusste, ob sie auf der Milonga ausreichend würde tanzen können, oder ob ein Taxitänzer vielleicht doch eine gute Entscheidung sein könnte, kamen die Taxitänzer nur minimal zum Einsatz. Die beiden beteiligten Damen waren allerdings hingerissen! Spannend fanden es alle, aber die Hemmschwelle haben nur zwei überwunden. Schade eigentlich! Eine Journalistin von der TangoDanza hat übrigens Interviews mit den Taxitänzern und Teilnehmern der Ladies Easter Tage geführt, ein entsprechender Bericht ist somit in der TD zu erwarten.

Fazit
Jederzeit wieder! Frau verlässt die Kurse natürlich nicht als grazile Tanguera, darüber sollte man sich im Klaren sein. Es können auch in fünf Tagen nur Anregungen und Anreize vermittelt werden. Das Umsetzen und Eintrainieren muss Frau dann alleine machen. Aber das Selbstbewußtsein wird ganz erheblich angesprochen und gefördert. Und es sollte auch nicht am Selbstbewußtsein rütteln, wenn Frau sich einen Taxitänzer gönnt - ganz im Gegenteil, Frau darf bereichert aus dieser gemeinsamen Stunde gehen. Und auch die langen Wege vom eigenen Quartier zu entlegenen Milongas (Loft...) sollten auf keinen Fall abschrecken. Auch dann nicht, wenn Frau morgens um halb vier mutterseelenalleine im eigenen Auto ohne Navi von der Straße abkommt, versehentlich auf Straßenbahnabschnitten landet, beim Wartehäuschen parkt und bisserl ratlos in der Berlinkarte blättert. Ein freundlicher Nachtschwärmer wird sich schon finden, der ans Fenster klopft und - bevor er den Weg erklärt -, interessiert nachfragt: "You are lost, aren´t you?"

Nicht wirklich.

66 Anmerkung(en):

Monika hat gesagt…

Danke, Raxie, für den informativen Bericht.

Für eine kurze Erläuterung zum Thema Taxidancer wäre ich dankbar: man bucht also den Dancer für eine Stunde, bezahlt den geforderten Preis und dann geht er wieder? Tanzt er dann die ganze Stunde nur mit der zahlenden Tanguera? Oder tanzt er insgesamt eine Stunde - also 4 Tandas, rundgerechnet, innerhalb des Abends mit einem?

Dank auch an dich, Cassiel, dass Du wieder einmal ein spannendes Thema (und damit meine ich nicht nur die Taxi-Dancer!) angerissen hast.

Raxie hat gesagt…

Moin Monika,

in Berlin scheint es mittlerweile eine Argentur/Börse für Taxitänzer zu geben. Frag da mal - wenn es Dich näher interessiert - bei Ines vom La BerlINESa nach. Einer der jungen Herren (TAxitänzer) hat mir erzählt, dass er in dem Jahr, seit es diesen Service offiziell gibt, genau 2x gebucht worden ist. Für uns Kursteilnehmer hieß das konkret, dass wir vorab etwas mit den Taxitänzern ausmachen sollten, damit sie wissen, wann sie wo sein sollen. Für eine Stunde Tanzen würde dieser Herr aber z.Bsp. nicht durch halb Berlin fahren. Aber wenn ihn die spezielle Milonga eh interessiert, dann ist es völlig ok, dass er für die Stunde auch in genau die Milonga kommt.

Bei uns war ja eh immer ein Vorschlag für eine Milonga gemacht, so dass die Taxitänzer eine relativ klare Vorstellung davon hatten, wo sie evtl gebucht werden würden. Die beiden Damen, bei denen ich mitbekommen habe, dass sie eine Std buchen wollten, haben das vorab gemacht u sich für eine feste Zeit in der Milonga verabredet. Minimum für die Taxitänzer sollten 40 Min tanzen sein. Trinkpausen sollten die Damen ihnen bitte zugestehen... :-)

Ich glaube, dass beide am Stück ihre Zeit mit den Tänzern abgetanzt haben, auf die Uhr habe ich nicht geschaut. ABer beide waren wirklich sehr sehr angetan. Die erste Dame (eine relative Anfängerin) war nur noch hin und weg. Sie hat so ausgesehen, wie ich mich immer fühle, wenn ich bei meinem Tangolehrer eine Einzelstunden nehme. Es ist kostbare Zeit, weil der Herr sich so total nach der Dame richtet u sich selbst so komplett zurück nimmt, aber dennoch schaut, dass die Dame sich entfalten darf. Und diese Dame hat sich entfaltet. Ganz sanft - ich habe den beiden länger zugeschaut, weil es mich so fasziniert hat. Wie gesagt, ich habe mich da wiedergefunden. Und sie hat auch hinterher erzählt, dass es eine ganz neue Dimension für sie im Tango war. Wunderschön!

Und am letzten Abend hätte ich auch einen Taxitänzer engagiert. Wenn der junge Mann/Taxitänzer früher im Max u Moritz gewesen wäre (als die Tanzfläche noch nicht so rappelvoll war), dann hätte ich ihn spontan gefragt, ob er eine Std mit mir tanzen würde. Das hatten wir auch am Nachmittag im La BerlINESa locker so vereinbart. Aber er kam erst so gegen 23 Uhr u da hatte ich Sorge, dass es einfach viel zu voll war, um das wirklich genießen und auskosten zu können. Er war ein spannender Tänzer u ich hätte mehr gewollt, als nur zu Gehen...

Wie gesagt, das Ganze ist zwar schon seit einem Jahr Thema in Berlin, aber so richtig greifen tut es noch nicht. In der TD gibt es dazu dann vielleicht fundiertere Infos. Ich kann nur Bruchstückhaft berichten, was ich gesehen habe u was uns erzählt worden ist.

Ich bin an dem Abend dann um 24 Uhr aus dem Max u Moritz geflohen, weil wir fremden Damen wirklich nur gesessen haben u es außerdem irre voll geworden ist. Ein Berliner Tanguero war auch unzufrieden. Wir haben uns dann zusammen getan, er hat sein Rad bei mir in den Kombi geschmissen, wir sind zusammen zum Loft gefahren (1x quer durch Berlin), alleine hätte ich das nie (!) gefunden. Tja, und dort gab es das Problem des Sitzens nicht mehr. Ab da habe ich durchgetanzt. Einen Taxitänzer hätte ich dort sicher niemals gebucht...

Entschuldige, mehr kann ich leider dazu nicht beitragen. Aber es ist ein spannendes Thema, wie ich finde. Und eine gute Idee! Besser fänd ich es allerdings, wenn man in den Milongas spontan "Gutscheine" für eine Tanda mit einem Taxitänzer erwerben könnte. Und wenn es dann mehrere solcher Taxitänzer in der Milonga gäbe (am besten mit Schild :-) dann könnte Frau so richtig flexibel und gezielt "zuschlagen"... :-)

elbnymphe hat gesagt…

Liebe Raxie,

ich hab' Deinen Bericht sehr gerne gelesen, vielen Dank, daß Du Dir die Mühe gamcht hast, das alles aufzuschrieben. Tangotage nur für Frauen, das finde ich eine Klasse Idee und werde mir das fürs nächste Jahr mal vormerken.

Nicht anders als lachen kann ich bei dem Statement "Und die meisten entschieden sich dann auch grundsätzlich gegen einen Taxitänzer, da sie es nicht mit ihrem Selbstbewußtsein vereinbaren konnten, einen Herrn dafür zu zahlen, dass er mit ihnen auf einer Milonga tanzt." – Ich weiß, Du gibst nur die Meinung der Damen wieder, nicht Deine eigene. Aber wieso frau lieber Stunden in der Ecke sitzend zubringt, als sich mit ihrem Geld eine Stunde Vergnügen zu kaufen, ist schon auf sehr faszinierende Weise (selbst-)beschränkt.

Caren42 hat gesagt…

Ich bedanke mich ebenfalls für diesen ausführlichen Beitrag, in dem ich vieles wiedererkennen konnte, was ich auch schon erlebt habe.

Zum Thema Taxitänzer: da stellt sich bei mir im Bauch ein unangenehmes Gefühl ein, für mich wäre das nichts. Ich möchte immer eine persönliche Verbindung zwischen mir und meinem Tanzpartner spüren, die sich aus freien Stücken und nicht gegen Bezahlung ergibt (das muss sich gegenseitig nicht ausschließen, ja!), das ist mir persönlich sehr wichtig. Aus diesem Grund frage ich auch nur in gaaaanz wenigen Ausnahmefällen einen Mann, ob er mit mir tanzt; ich möchte gefragt werden, damit ich sicher sein kann, dass er diese Runde und diese Tangos wirklich mit MIR tanzen möchte und nicht aus Höflichkeit oder dem Unvermögen, auch mal nein sagen zu können, denn dann habe ich die Hoffnung, dass wir einander das geben können, was ich im Tango suche. Ich weiß, dass sich früher die Damen für's Tanzen bezahlen ließen und dass Taxitänzer in B.A. durchaus "dazugehören". Ich verstehe auch die Argumentation, dass man schließlich tanzen möchte und es auf diese Weise zu 100% erreichen kann und nicht gefrustet sitzen bleibt.
Vielleicht ändert sich diesbezüglich meine Meinung noch. Ich dachte am Anfang meines Tangotanzens auch, dass man nur schönste Gefühle und Innigkeit erleben kann, wenn man mit einer einem nahestenenden Person tanzt, dass ich zu Fremden Nähe nicht genauso zulassen könnte. Das hat sich komplett verändert, inzwischen empfinde ich die verpflichtungslose Innigkeit für die Dauer einer Tanda, wenn sich 2 unbeschriebene Blätter treffen, als wunderbar.
Ich wünsche euch einen schönen Frühlingstag!
C.

La Perla hat gesagt…

Auch von mir einen herzlichen Dank, liebe Raxie! Ich verfolge das Angebot von Ines in Berlin schon seit letztem Jahr und bin hin und wieder am überlegen, ob ich mir die Zeit dafür nehmen kann. Nach drei Frauenworkshops, die ich zwischenzeitlich besucht habe, schätze ich diese Angebote sehr.
Zum Thema Taxitänzer: Besser finde ich den altmodischen Begriff Eintänzer, denn genau als solche würde ich sie für Tänze auf einer für mich fremde Milonga buchen. Tangotänzerinnen werden häufig erst beim Tanzen „gesehen“, und wenn dies mit einem sehr guten Tänzer geschieht, der die Frau wirklich gut aussehen lässt, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Tänzerin auch von anderen aufgefordert wird. Oder?, was meint ihr?
Grundsätzlich stimme ich Elbnymphe zu, dass wir Frauen uns selbst beschränken, wenn wir aus „falschen“ Stolz, dieses Angebot nicht wahrnehmen. Dennoch, auch ich hätte damit zu kämpfen … Es gilt an dieser Stelle noch einiges an emanzipatorischer Arbeit zu leisten … Lieber wäre mir, wenn das Thema „sozialer“ Tango stärker in den Tangoschulen angesprochen wird, und es als Selbstverständlichkeit gilt, mindestens eine Tanda am Abend mit einer unbekannten Tänzerin zu tanzen.

La Perla

elbnymphe hat gesagt…

La Perla, es greift eben so vieles ineinander. Deswegen ist Tango mehr als nur Schrittfolgen. Deswegen ist Tango ein soziales Gefüge.

Wenn es also an den Männern liegt, fremde Tangueras zu integrieren, was können wir Frauen tun, um Fremden gegenüber unseren Kreis zu öffnen?

Nicht dauernd Körbe verteilen, Blickkontakte wagen (es muß ja nicht gleich ein Cabeceo sein, ein Lächeln an der Bar, verbunden mit der Frage, woher der Andere kommt, tut's auch) … habt Ihr weitere Ideen?

Und, bitte, jetzt keine Aufschreie, daß dies in Argentinien undenkbar wäre, weil die Geschlechter segregierter sind oder die Gesellschaft anders funktioniert. Das ist mir klar.

Herr Oswald hat gesagt…

Das "Max&Moritz" scheint wirklich ein sehr sonderbarer Ort zu sein. Ich war 2x dort - jedes Mal das gleiche Bild: Eine Anzahl von kaum über 20-jährigen Mädels sitzt da den ganzen Abend rum und wartet. Auf was sie warten, wurde mir nicht klar. Das Niveau fand ich auch recht achtbar - aber auch wieder nicht soooo astronomisch…

An dem einen Abend habe ich mir in 1 1/2 Std. 7 (in Worten: sieben) Körbe hintereinander geholt - dann war mein Ego verschlissen und ich bin gegangen. Zum Glück blieb das absolut singulär in meiner Karriere. An dem anderen Abend (Monate später) hatte ich Glück und eine schwedische Touristin erwischt, die auch schon den ganzen Abend saß - so wurde es noch ein angenehmer Abend…

Aber wer da auf wen wartet… - vielleicht kann das mal jemand erklären, der ortskundig oder gar eingeboren ist.

Anonym hat gesagt…

Ich halte von Taxitänzern gar nichts, finde das System sogar sehr schlecht. Der Grund wurde schon genannt - die soziale Dimension des Tango wird dadurch ganz in den Hintergrund geschoben. Instinktiv nehmen die meisten Frauen das Angebot von Taxitänzern ohnedies nicht an, das ist auch gut so, denn täten sie es, würde es mit der Zeit die Motivation der Nicht-Taxi-Männer auslöschen, fremde oder weniger beliebte Tänzerinnen überhaupt aufzufordern. Mit der perfekten Ausrede, dass es ja eh die Möglichkeit gibt, mit den Taxitänzern zu tanzen.....
Ich war mal bei einer Milonga, da bestand die Möglichkeit 2 Taxitänzern für einzelne Tandas zu buchen, da sie nicht gebucht wurden, tanzten sie dann irgendwann einfach so, beide recht gute, junge Tänzer, vom Zusehen her total ok. Der eine hat mich aufgefordert, und es ging für uns beide völlig überraschender Weise gar nicht - die Tanda war eher furchtbar, Chemie hat gar nicht gepaßt, wenn ich dafür gezahlt hätte, wäre ich schön sauer gewesen!

Malena hat gesagt…

Cassiel, darf ich fragen, warum du nichts zum "Taxitänzer" schreibst? Mich würde schon interessieren, wie du darüber denkst.

cassiel hat gesagt…

@Malena

Natürlich darfst Du fragen... ich bitte allerdings um Verständnis, wenn ich mich in dieser Diskussion etwas zurückhalte. Ich lese hier sehr sorgfältig und neugierig mit; ich muß mich da jetzt aber ausnahmsweise nicht mit meiner Meinung breit machen. Eigentlich finde ich es sehr schön, wenn sich zunächst einmal die Tangueras untereinander austauschen. Vielleicht äußere ich mich später in der Diskussion zum Thema... mal sehen...

Raxie hat gesagt…

@anonym

Der Tango ist nicht sozial. Genausowenig wie die Liebe...

Lydia hat gesagt…

@ Herr Oswald: Vielleicht sind die Wartenden Taxisitzerinnen, die vom Veranstalter bezahlt werden? ;-)

@ Raxie: Was meinst Du, wenn Du sagst, der Tango sei nicht sozial? Und die Liebe auch nicht. Wie ist er/sie dann? Unsozial? Asozial? Anders gefragt: Wie würdest Du sozial in diesem Zusammenhang definieren?

Taxitänzer ... warum nicht. Aber ich glaube, mich würde das nicht reizen. Für mich ist es gerade spannend: Wer wird mich auffordern? Mit wem werde ich heute tanzen? Und wenn ich zwischendrin eine Weile sitze, genieße ich das meistens, ich schaue ja auch gern all den anderen wunderbaren Paaren zu. Natürlich gab und gibt es immer mal wieder Abende, an denen extrem viel mehr Frauen da sind oder einfach überhaupt keine Männer, die ich kenne, und nach zwei Stunden Zuschauen sinkt dann auch meine Laune mal. Ob mir in so einem Moment ein Taxitänzer taugen würde? Ich müsste es wahrscheinlich mal ausprobieren.

Raxie hat gesagt…

@Lydia

bei Wikipedia findet sich folgende umgangssprachliche Definition für sozial: "In der Umgangssprache bedeutet „sozial“ den Bezug einer Person auf eine oder mehrere andere Personen; dies beinhaltet die Fähigkeit (zumeist) einer Person, sich für andere zu interessieren, sich einfühlen zu können, das Wohl Anderer im Auge zu behalten (Altruismus) oder fürsorglich auch an die Allgemeinheit zu denken."

Ich definiere sozial im Zusammenhang mit Tango u auch der Liebe so, dass man das Wohl des anderen im Auge behalten sollte u niemanden verletzen sollte. In beiden Lebensbereichen lassen sich aber Verletzungen nicht ausschließen. Jeder mit etwas Lebenserfahrung weiß, wie ich das meine.

Beim Tango in Berlin bedeutet das ganz konkret, dass es in einer großen und anonymen Milonga völlig ausgeschlossen ist, alle Tänzerinnen im Auge zu behalten und darauf zu achten, dass jede mal aufgefordert wird. Das ist ein Sozialverhalten, das in einer kleinen heimischen Szene noch funktionieren kann, in einer großen anonymen ist das ausgeschlossen. Insbesondere in einer Metropole, wo es in dem Sinne fast keine geschlossene Szene geben kann (in den großen Milongas) und immer viele Gäste da sind, ist so ein Schauen auf das Umfeld fast unmöglich.

Irgendwo hab ich mal gelesen "eine Milonga ist keine Wohltätigkeitsveranstaltung". Und ich hab dem immer schon zugestimmt. Das heißt keinesfalls, dass ich nicht mit Anfängern tanzen würde. Ganz im Gegenteil, das mache ich oft u gerne. Aber nur mit den Anfängern, die sich offenkundig bemühen, sich erstens weiterzuentwickeln u die sich zweitens darüber im Klaren sind, dass sie schauen müssen, wo die Dame steht. Wer diese Grundvoraussetzungen nicht erfüllt und immer wieder Situationen herbeiführt, dass wir kurz vorm Stolpern sind (und nur ich das durch geschicktes Kompensieren bzw. ungeführten Gewichtswechsel verhindere), den lass ich nach drei Tänzen gnadenlos stehen u bemühe mich, ihm in Zukunft aus dem Weg zu gehen.

Desgleichen lehne ich es ab, aus Mitleid aufgefordert zu werden. Ich möchte ausschließlich deshalb aufgefordert werden, weil ein Mann Interesse hat, mit mir zu tanzen. Die genaue Motivation ist mir dabei egal, aber Mitleid (weil ich länger gesessen habe) darf es nicht sein.

Im Max u Moritz bin ich z.Bsp. zw 21 u 23.30 nur 2x aufgefordert worden. Das ist eine komplett ungewöhnliche Situation für mich u ich hatte damit auch überhaupt keine Probleme, weil erstens zu viele Damen da waren u zweitens die anwesenden Herren die anwesenden Damen gut kannten (es war eine vergleichsweise kleine Milonga). Das war offenkundig. Und dass dann zunächst die eigenen Damen betanzt werden, halte ich für absolut normal u legitim.

Da kann ich übrigens La Perla nur zustimmen: Der Begriff Taxitänzer sollte gegen Eintänzer getauscht werden! Wenn ich mit einem Eintänzer getanzt hätte (was ich in dem Moment auch getan hätte, wenn einer da gewesen wäre), hätten mich vielleicht einige andere Herren "gesehen" und vielleicht auch irgendwann aufgefordert. Wer weiß. Aber das ist Sache der Herren. Ich gestehe es jedem Herrn zu (wie auch jeder Dame), lange mit einem einzigen Partner zu tanzen oder eben nur mit bekannten Partnern zu tanzen, wenn beide das gerade wünschen. Da ist es egal, ob jmd lange daneben sitzt, wie ich finde. Es besteht meines Erachtens keine soziale Verpflichtung, seine eigenen Bedürfnisse zurück zu nehmen, um anderen gerecht zu werden. Das ergibt sich oft automatisch, aber es gibt auch Situationen, wo Mann/Frau sich gerne im Tango komplett verlieren möchte und nicht sozialen Anforderungen gerecht werden möchte. Das eine schließt mitunter das andere aus.
Und das halte ich für völlig legitim.

Elbnymphe hat gesagt…

Wenn man mit dem Begriff des "social Tango" argumentiert, sollte man zum besseren Verständnis schon differenzieren, daß das englische "social" mitnichten das deutsche "sozial" im Sinne von einfühlsam etc. bedeutet. ("Socialising" ist ja auch keine karitative Veranstaltung.) Es geht schlichtweg um gesellschaftliche Veranstaltungen, und eine solche ist eine Milonga sehr wohl: es treffen sich unterschiedliche Menschen, um für die Dauer von ein paar Stunden eine Gesellschaft zu bilden oder auch einfach nur, um Gesellschaft zu haben. Nicht mehr und nicht weniger, zunächst mal. Man muß dabei gar nicht an den Altruismus appellieren, wenn man findet, Tänzer sollten sich füreinander interessieren. Es ist einfach eine Grundkomponente der Geselligkeit.

Raxie hat gesagt…

@elbnymphe

Natürlich ist eine Milonga eine gesellschaftliche Veranstaltung, das steht ja gar nicht zur Debatte. Da gebe ich Dir vollständig Recht. Aber wie genau definiert sich dann eine gesellschaftliche Veranstaltung? Ab wann hat man "Verantwortung" für einander? Jede Tanguera ist ja schon Teil der Veranstaltung (der Milonga) sobald sie ihren Eintritt gezahlt hat u erwartungsvoll am Rande der Tanzfläche sitzt. Oder ist sie erst richtig Teil der gesellschaftlich versammelten Tangueras und Tangueros, wenn eine danebensitzende Dame mit ihr freundschaftlich ins Gespräch kommt? Oder erst dann, wenn ein Tanguero sie aufgefordert hat? Oder erst dann, wenn sie genauso viel getanzt hat, wie alle anderen Tangueras auch?

Das soll natürlich hier keine Haarspalterei sein. Aber ich finde die Frage tatsächlich interessant.

Jede andere Tanzveranstaltung ist auch ein gesellschaftliches Ereignis u würde ja eigentlich auch beinhalten, dass Frau alleine zu einem Ball, wo Standard u Latein getanzt wird, gehen könnte u auch davon ausgehen könnte, dort von anderen Herren aufgefordert zu werden. Aber dem ist natürlich nicht so. Ich war selbst oft genug auf Tanzbällen (Standard/Latein - der letzte vor 3 Wochen), um gesichert zu wissen, dass es dort einfach undenkbar ist, Fremde aufzufordern. Die Paare mischen sich in aller Regel nicht, nur sehr sehr gut befreundete Paare tauschen mal kurz die jeweiligen Partner. Zu einer solchen Veranstaltung geht Frau denn auch gar nicht erst alleine.

Ich finde es total interessant, wie selbstverständlich man in der Tangoszene davon ausgeht, dass natürlich untereinander gemischt wird, dass alle für alle mitverantwortlich sein sollen. Im Grunde ist das ja ein zutiefst mitmenschlicher Gedanke - jeder schaut auf jeden. Aber damit würde man - meines Erachtens - auch dem Tango einiges nehmen. Weil Mann plötzlich in gesellschaftliche Zwänge eingebunden ist u nicht mehr frei entscheiden kann, mit wem er nun wie lange tanzen möchte. Tangotanzen hat auch - meines Erachtens - viel damit zu tun, abschalten zu können, sich gezielt in emotionale Felder begeben zu können, von denen man weiß, dass sie über alle Maßen gut tun. Und da haben viele Tangueros genaue Vorstellungen davon, mit welcher Dame sie in genau dieses gewünschte Gefühlsfeld kommen können. Meist ist es ja eh so, dass zu viele Damen anwesend sind. Da hat Mann schon ausreichend damit zu tun, die bekannten Damen, die ihm grundsätzlich symphatisch sind, aufzufordern. Ein Abend ist schnell um. Wenn er dann auch noch unbekannte Tangueras auffordern soll - wann bleibt dann noch die Zeit, ausführlich mit der einen oder den zweien Tangueras zu tanzen, mit denen er bevorzugt tanzt?

Das ist tatsächlich ein Dilemma, wie ich finde u wird von einigen Herren, mit denen ich mich genau über dieses Thema unterhalten habe, auch so empfunden.

Vielleicht lässt es sich auch gar nicht wirklich lösen, solange zu viele Damen bei einer Milonga sind. Sobald ein annähernd ausgewogenes Verhältnis gegeben ist, mischt sich ja ohnehin alles gut. Nur der Damenüberschuss beim Tango lässt ja überhaupt erst die Diskussion um die soziale oder gegenseitige Verantwortung aufkommen. Vielleicht müsste man dann fordern, dass mehr Damen die führende Rolle erlernen? Aber das lehnen ja auch viel ab. Ich habe schon beobachtet, dass Damen sich nicht von Damen haben auffordern lassen. Was mir übrigens unbegreiflich ist. In Berlin hatte ich auch das Glück, von einer Dame aufgefordert zu werden - und es war grandios! Sie war regelrechte Eintänzerin (schöner Begriff La Perla!) für mich. Danach haben sofort mehrere Herren aufgefordert. Zumindest führe ich das auf die Tänze mit der Dame zurück. Aber weiß man es?

leo hat gesagt…

@ Raxie

Hand auf's Herz.. wie oft ist es dir passiert, daß jemand nur aus Mitleid mit dir getanzt hat, bzw. warst du dir dann auch sicher, daß es so war?
Es gibt doch einige Tangueros, die einfach aus Neugier oder Gastfreundschaft jemanden auffordern, ohne sie vorher tanzen gesehen zu haben. Und da wäre es doch entmutigend, wenn das in die Schublade "Mitleid" gesteckt wird.
Wie bekommst du das heraus, mit welcher Motivation du aufgefordert wirst? Gibt es da klärende Gespräche?

Gruß Leo

Raxie hat gesagt…

@leo

eine berechtigte Frage! Bei fremden Tangueros, die mich auffordern, weiß ich es selten. In großen Milongas nie. Da mache ich mir dann auch nie Gedanken darum.

Aber in der heimischen Szene oder kleineren Milongas wusste ich immer, wenn ich nur deshalb aufgefordert worden bin, weil ich lange saß u es den anwesenden Herrn einfach leid tat, mich da sitzen zu sehen. Das war in meiner Anfängerzeit häufig der Fall. Und weil ich solche Aufforderungen wirklich ganz schrecklich finde (stehe ich leider gar nicht drüber), bin ich immer gegangen, wenn ich das Gefühl hatte, dass es in der speziellen Milonga-Situation fast nur noch auf Mitleidsaufforderungen herauslaufen konnte.

Das ist ein relatives Gefühl und wird sich nie objektivieren lassen. Da muss ich Dir zustimmen. Aber wenn so ein inneres Gefühl erstmal da ist, ist es für die Dame ausgesprochen unangenehm. Wie gesagt, ich habe mich solchen Situationen immer entzogen, indem ich gegangen bin.

Zu gehen finde ich in solchen Situationen übrigens überhaupt nicht schlimm. Damit ist der Abend dann für mich keineswegs ruiniert oder verloren.

leo hat gesagt…

@ Raxie

über die Anfängerzeit muss man sich bestimmt anders Gedanken machen als jetzt, wo du wahrscheinlich schon eine erfahrene Tänzerin bist.
Ich kann aber nicht lockerlassen bei dem Gedanken, aus "Mitleid" aufgefordert zu werden. Das mir mir zu sehr eine Schublade.
Und ich kann mir noch nicht vorstellen, was deine Erwartungen gegenüber Tangueros ist, wenn - wie so oft - deutlich mehr Frauen als Männer anwesend sind. Wie sollen sie handeln, falls sie im Blick haben, daß einige Frauen kaum zum Tanzen kommen. Wenn diese sich des Ungleichgewichts bewußt sind, sich damit auseinandersetzen und ausgleichend agieren, ist es dann nur Mitleid? Ich würde das bezweifeln.

Raxie hat gesagt…

@Leo

Erlaube mir die Gegenfrage: Wenn Du auf einer Milonga mit deutlichem Frauenüberhang bist, wie genau verhältst Du Dich? Beobachtest Du aus dem Augenwinkel, wer wie lange sitzt? Ich gehe mal davon aus, dass Du das mit JA beantwortest. Gut. Nun siehst Du also, dass zwei/drei Damen wirklich nur sitzen. Du hast sie bisher auch noch nicht aufgefordert. Vermutlich weil Du bisher mit Damen getanzt hast, die Du kennst u mit denen Du gerne tanzt, oder eine fremde Dame hat Dich - warum auch immer - ganz besonders neugierig gemacht. Jedenfalls haben diese 2-3 Damen es noch nicht dazu gebracht, von Dir aufgefordert zu werden.

Wenn Du nun doch eine der drei Damen aufforderst - warum genau tust Du das dann? Hast Du ihnen gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil sie schon so lange sitzen? Möchtest Du ihnen die Freude machen, wenigstens 1x an dem Abend getanzt zu haben? Oder hast Du die Gabe, an jeder Tanguera etwas Spannendes oder Anziehendes zu entdecken, so dass es eigentlich nur Pech war, dass Du erst so spät zu einer dieser 3 Damen gekommen bist?

Irgendwelche Gründe hat es immer, dass Frauen lange sitzen. Und sei es einfach nur das ungünstige M/W Verhältnis. Und es gibt einen Punkt an dem der Zeitpunkt überschritten ist, an dem Frau aus Interesse oder Neugierde von einem Herrn aufgefordert wird. Ich glaube, dass die meisten Damen, die schon mal länger gesessen haben, diesen Punkt kennen. Irgendwann kippt es innerlich u Frau möchte dort nicht mehr auf dem Präsentierteller sitzen und darauf warten, dass ein Mann sie doch noch interessant genug findet, auch mal mit ihr zu tanzen.

Und nein, ich habe keine Erwartung an die Tangueros, wenn sie in der deutlichen Minderheit sind. In meiner Wahltangoheimat weiß ich so in etwa, wer mit mir tanzt und wer nicht. Wenn zufällig nur "Raxie-Nicht-Tänzer" anwesend sind, dann warte ich ein wenig ab, 1-2-3 Tandas ergeben sich eigentlich immer, und dann geh ich meist wieder. Eben weil ich die anwesenden Herren auch nicht in Zugzwang bringen möchte. Und ich gönne es absolut jedem (sowohl den beteiligten Damen als auch den Herren), wenn sie gut miteinander tanzen. Ich erheb da überhaupt keine Ansprüche an die Herren. Ich finde nicht, dass ich ein Recht darauf habe, aufgefordert zu werden. Das sehen übrigens viele Damen anders.

Ein andermal sind dann vielleicht wieder ausreichend "Raxie-Gerne-Tänzer" anwesend. Dann tanze ich halt viel. Dann geht vielleicht stattdessen eine andere Dame heim. So gleicht sich das durchaus aus u keiner hat Stress. Das sehe ich mittlerweile alles ganz entspannt.

Raxie hat gesagt…

@Cassiel

Mein Gott Cassiel, das artet ja richtig in Arbeit aus...

Ich übergeb jetzt wieder an Dich!

@Leo

Die "Mitleids-Schublade" darfst Du übrigens gerne umbenennen. Das Gefühl, das sich dahinter verbirgt, wird aber immer dasselbe bleiben - wie auch immer Frau es benennen mag.

Und nö, ich bin keine erfahrene Tänzerin, aber insgesamt lockerer u ruhiger geworden. Wenn ich nicht aufgefordert werde, sehe ich das nicht mehr als persönlichen Makel, sondern als sich zufällig so ergebende Situation, die mit mir wenig zu tun hat.

Und eines Tages - wenn ich dann eine erfahrene Tänzerin bin - fang ich auch an, Euch aufzufordern. Spätestens dann hat sich das mit allen Schubladen eh erledigt :-)

So, und nu darf Cassiel wieder.

Lydia hat gesagt…

@ Raxie: Vielen Dank für Deine ausführliche Erläuterung! Ich war wirklich verwirrt, weil ich sowohl den Tango als auch die Liebe so ganz naiv (ohne Definition, meine ich) immer als vollkommen sozial bezeichnet hätte. Dabei denke ich an die kommunikativen und verbindenden Elemente des Tangos.

Dazu gehört natürlich auch Rücksichtnahme - zumindest das Bemühen darum. Und zwar nicht nur zwischen den Partnern, sondern idealerweise auch zwischen allen Paaren, die sich auf der Tanzfläche bewegen. Und ebenso zwischen Veranstalter, DJ und Gästen. Dass man es dem/den anderen nicht immer recht machen kann, gehört selbstverständlich auch dazu.

Ob Herren aus Rücksichtnahme Damen auffordern sollen, die schon länger sitzen? Keine Ahnung ... Ich denke, das sollen sie machen, wie sie es für richtig halten. Auf jeden Fall kann ich mir keinen Mann vorstellen, der eine Frau auffordert, mit der er sonst nie und nimmer tanzen würde - nur aus Mitleid. Eher dass er vielleicht nicht ganz so lange mit einzelnen Partnerinnen tanzt, um auch andere noch zum Zug kommen zu lassen. Vielleicht aber auch, dass er die Gelegenheit ergreift, eine Dame zum Tanz zu bitten, an die er sich unter anderen Umständen eher nicht herangewagt hätte. Auffordern aus reinem Mitleid kenne ich nicht bzw. ich wüsste gar nicht - um Leo zu folgen -, wie ich das erkennen soll. Höchstens wenn man es mir direkt sagt, aber das ist mir noch nicht untergekommen.

Tangosohle hat gesagt…

Das ist ein schöner Beitrag, Raxie, danke für den Einblick.
Mich würde interessieren, inwieweit gab es eine Gruppendynamik - nur Frauen unter sich, und das fünf Tage lang -, die die Inhalte besser transportiert hat?

@Oswald: Das Phänomen der jovenes chicas in Berlin ist berüchtigt. Ich hatte auch schon ähnliches erlebt, mit den 3 oder 4 40+Tänzerinnen traumhafte Runden gedreht. Diese waren allerdings auch schon angenervt, da natürlich (?) alle Tangueros sich auf die Attraktivität der Jugend fixierte. Und nun, zum Jungsein gehört (ganz allgemein und nicht persönlich) die Unsicherheit und das Überspielen derselben. Muss man da mit Leuten tanzen, die locker der eigene Vater sein könnten? Das ist nicht jedermanns Sache und man wartet doch lieber auf einen der wenigen jungen, sportlichen Tänzer (siehe Raxies Beschreibung der Taxitänzer). Berlin ist zum Glück groß genug, dass neben einer frustrierenden Milonga meist noch eine Alternative besteht.

Raxie hat gesagt…

@Tangosohle

Von Gruppendynamik konnte man eigentlich nicht sprechen. Das ging auch bei 35 Damen, die in unterschiedlichen Konstellationen an den Kursen teilnahmen nicht so richtig. Die meisten Übungen wurden einzeln gemacht, da hat sich jede auf sich selbst konzentrieren müssen. Wie gesagt, wir haben uns mit uns selbst auseinander setzen müssen. Bei den Zweierübungen haben wir untereinander beständig wechseln müssen, so dass man mit fast allen mal kurz Kontakt hatte.

Insgesamt war es ein ausgesprochen netter Ton zwischen allen beteiligten Damen. Das lag sicher auch an der herzlichen Atmosphäre, die Ines und die Lehrerinnen verströhmt haben. Aber von Gruppendynamik kann man eigentlich nicht sprechen. Wir sind auch nicht alle gemeinschaftlich zur Milonga gewandert, sondern haben uns dort zwar z.T. getroffen und freundlich zugenickt oder kurz unterhalten, sind aber nicht als Gruppe aufgetreten.

Aber ich denke schon, dass wir voneinander profitiert haben. Wenn innerhalb des Kurses Fragen gestellt worden sind, haben sich die Meisten in der Frage wiedergefunden. Und in den Pausen ging es natürlich auch um viele Fragen, die uns alle interessiert haben. Ich hab mir z.Bsp. neue Schuhe gekauft u einige der Damen, die das mitbekommen haben, waren sehr interessiert an dem Prozedere (hat von Do bis So gedauert, bis ich endlich welche hatte). Und so ging es bei vielen Themen. Das war aber mehr ein privater Austausch, als Gruppendynamik. Ausgesprochen nett jedenfalls!

Und ja, in Berlin gibt es überraschend viele junge Tänzer. Alle sehr sportlich und durchtrainiert. Das war wirklich auffallend. Aber es gibt auch die älteren u ruhigeren, keine Sorge. In der Villa Kreuzberg z.Bsp. waren an dem Abend, wo ich da war, nur eine kleinere Gruppe junger Leute. Alle anderen haben dem Altersspektrum entsprochen, das ich aus den mir bekannten Szenen kenne, also eher 40+

Die jungen Tänzer waren faszinierend zu betrachten, weil sie durch die Bank sehr sehr gute Tänzer waren. Aber mir hat bei fast allen jungen Damen das Versinken u Genießen gefehlt. Sie haben (diejenigen, die ich aufmerksamer betrachtet habe) eher ihren wunderbar durchtrainierten Körper in Szene gesetzt, als dass sie nur bei ihrem Partner waren und für ihn und sich selbst getanzt hätten. Mir schien, dass sie mehr für die Betrachter tanzen, als für ihren Partner u sich selbst. Aber das war nur ein Eindruck, da möchte ich mir eigentlich kein Urteil anmaßen.

Aber ich habe in Berlin öfter einem Satz nachgehangen, den ich mal irgendwo über den Tango gelesen habe: "Den Tango wirklich verstehen kann nur, wer schon Narben auf der Seele hat..."

Tangosohle hat gesagt…

"Den Tango wirklich verstehen kann nur, wer schon Narben auf der Seele hat..."
Ein spannender Satz, mich stört das Wort wirklich, denn es hat den Nimbus von Wahrheit. Für mich gilt: Narben geben meinem Verständnis von Tango einen stärkeren Anschub, als die meisten Wort- und Geistesgeschöpfe. Da ich mich aber nicht nach Narben sehne, bleibe ich doch lieber dabei, Wortgeschöpfe zu bilden. Und andersrum, der Tango lässt manch Narbe versöhnlicher bei mir sein. Der Buddhist sagt, so habe ich gehört, Leiden ist ein Weg zur Erkenntnis.

Herr Oswald hat gesagt…

@ Tangosohle
"jovenes chicas" - Danke Dir für diesen Begriff, so hat das Grauen wenigstens einen Namen.

@ Rest, v.a. Raxie
Was für eine absurde Diskussion!

Vorbemerkung:
In Situationen, in denen erdrückender Frauenüberschuß herrscht - und im Umfeld eines Frauen-Tangowochenendes mag man solchen erwarten - ist die Idee der Taxitänzer irgendwo nachvollziehbar.

Aber in normalen Tango-Situationen mit den üblichen 10-20% Unterschied? - Nur um nicht "sitzen zu müssen"?? - Niemand von Euch muß sitzen - willkommen im 21. Jahrhundert, die Kaiserzeit ist vorbei. Ihr kauft Eure Schuhe und Kleider von eigenem Geld, reist in Autos und mit Fahrkarten an, die ihr selbst bezahlt habt, bezahlt Euren Eintritt und Eure Getränke selbst - und dann? - Dann sitzt ihr und wartet, bis jemand des Weges kommt. Was soll das???? - Warum tut Ihr das?

* Weil ihr es in Eurer Schultanzstunde vor 25 Jahren so gelernt habt? - Quatsch - Ihr macht praktisch alles andere auch anders als in der Schultanzstunde, das kann es nicht sein.

* Weil ihr es im Tangounterricht so gelernt habt? - Quatsch, das wird nun wirklich nirgends beigebracht.

* Weil Ihr riskiert, blöd angeredet zu werden? - Ja riskieren wir das vielleicht nicht dauernd?? - Ist es fair, uns das zuzumuten, und Ihr zieht Euch auf Euer hohes Prinzessinenroß zurück? - Jeder von uns hat sich schon genug blöde Sprüche irgendwelcher arroganter Zicken anhören müssen - das gehört halt dazu. - Davon abgesehen - die Typen, die Euch blöd anreden, wenn Ihr sie auffordert, könnt Ihr sowieso gleich abhaken. Kein Mann von Anstand, Würde und Geschmack wird auf die Aufforderung einer Frau unhöflich reagieren.

* Und dann das allerblödeste Argument: "Ich will doch sicher sein, daß er auch wirklich mit mir tanzen will". - Ja und wir? - Wollen wir das nicht auch? - Will ich jemanden an mir dranhängen haben, der das nur aus Höflichkeit oder Mitleid tut? - Natürlich nicht, also versuche ich, das irgendwie zu erspüren - aber ich trage immer das volle Restrisiko, in meinem Empfinden völlig danebenzuliegen. Damit muß ich leben. Ist es fair, daß wir Männer dieses Risiko alleine draufgebrummt bekommen??? - Ist es nicht!

Es ist nun mal so, daß beim Tango der Mann deutlich mehr Gestaltungselemente in der Hand hat als die Frau (70/30 - oder gar 80/20 ?). Logisch wäre, daß sich die Frauen aussuchen, was ihnen gefällt, denn sie müssen es dann ja mitmachen. - Wir können ja immer nur raten, ob die Frau das, was ich mag und kann, auch mag und kann.

Liebe Frauen - wenn Ihr Euch schon nicht auf "cabeceo" einlaßt (das wäre der Königsweg aus dem Dilemma) - dann steigt doch bitte herunter von Eurem Prinzessinnen-Roß. Begegnen wir uns auf gleicher Augenhöhe, gehen wir höflich und freundlich miteinander um - und bitten uns nach Lust und Laune gegenseitig aufs Parkett. Seien wir sensibel und einfühlsam dabei, lieber ein bißchen zu vorsichtig als zu forsch, riskieren wir gelegentlich mal was - da können wir alle nur profitieren.

In diesem Sinne wünsche ich erfreuliche Tangos.

Raxie hat gesagt…

@Herr (???) Oswald

Wenn Du auf eine Augenhöhe mit uns kommen möchtest - dann finde einen angemessene Art u Weise, mit uns zu kommunizieren! In diesem flegelhaften Ton bist Du in diesem Blog nicht wirklich richtig aufgehoben...

elbnymphe hat gesagt…

@Herr Oswald:

Wenn es ein Thema auf ca. 25 Kommentare schafft, herrscht offenbar Diskussionsbedarf. Die darf auch gerne kontrovers geführt werden. Was mir aber aufstößt, ist das Gebaren eines Mannes, der meint, ein vornehmlich von Frauen geführtes Thema als absurd abtun zu müssen. In meinem Ohren eine ganz ungute Wortwahl und hochnäsige Deutungshoheit. Da hab' ich dann gleich gar keine Lust mehr, mich mit dem Rest auseinanderzusetzen, so berechtigt er vielleicht sein mag.

Aurora hat gesagt…

Tonfall hin oder herr..

ein Hoch auf den "cabeceo".

Warum wird der "cabeceo" in manchen Milongas so wenig angenommen? Für mich immmer noch die fairste Weise aufzufordern...

Was ist eigentlich so schlimm am Mitleidstango? Wenn ich eine Verbindung zum tanguero aufbauen kann ist es mir persönlich egal, warum er mich aufgefordert hat
Und warum soll die Mitleidsaufforderung schlechter sein als eine Aufforderung, weil eine Tanguera den tiefsten Ausschnitt, das kürzerste Röckchen an hat, mit Abstand die Jüngste (Erwachsene)...ist?

Taxitänzer zum Eintanzen kann ich mir eher vorstellen...

leo hat gesagt…

ich kann nun in dieser Diskussion nicht sagen, was gut oder was schlecht ist. Ich erzähle nur, wie ich das mache (auch zur Frage von Raxie)..
Wenn ich in Milongas bin, wo deutlicher Frauenüberschuß herrscht, dann fordere ich häufig Unbekannte auf. Und auch wenn ich sehe, daß jemand sehr lange sitzt, werde ich gern aktiv, ohne zu wissen, was auf mich zukommt. Das kann natürlich in die Hose gehen, passiert aber eher selten.
Wenn ich aber eine Dame, die länger saß, auffordere, und sie vermittelt mir das Gefühl, ich würde das nur aus Mitleid tun, dann weiss ich nicht, ob ich das nochmal machen würde. Und ich frage mich, ob die Aufgeforderte sich in so einem Moment, wo sie glaubt, so etwas zu spüren, nicht selber klein macht.
Wenn ich auffordere, gehe ich normalerweise nicht erst in mich, um herauszufinden, was meine Motivation dazu ist. Mitleid ist es nicht. Schon dieses Wort gefällt mir in diesem Zusammenhang nicht, weil es etwas Herablassendes hat.
Ich denke, man sollte sehr sehr vorsichtig sein, bevor man jemandem unterstellt, aus Mitleid (oder welches Wort auch immer) aufzufordern. Das könnte ein Schuss nach hinten sein.

cassiel hat gesagt…

Eigentlich wollte ich mich ja hier in der Diskussion zurückhalten... aber... Herr Oswald... da wundere ich mich schon...

Naja, vielleicht ist ein kleines Aufzwicken erlaubt? Bist Du vielleicht gar ein nicht gebuchter Taxitänzer?

;-)

Nix für ungut!

c.

Peter hat gesagt…

das herr oswald recht hat, auch wenn die aussage für mache etwas "scharf" formuliert ist.

der königsweg ist wirklich der cabecceo (brille tragen wenn nötig... eitelkeit schadet dabei)und die richtige sitzplatzwahl auf einer milonga ist auch zu beachten ...

Peter

Patrick hat gesagt…

Nun, Herrn Oswalds Pauschalangriffe treffen hier halt gerade die falschen Frauen. Aber ich hatte auch schon enttäuschende Abende, nach denen mir ehrlich gesagt ähnliche Gedanken durch den Kopf geschossen sind.

Das Problem des Eintanzens stellt sich übrigens für Männer auch nicht anders. Gibt es bei Ines auch Taxitänzerinnen?

Ach ja, und ehrlich gesagt bin ich immer ganz glücklich, wenn genügend Männer an den Milongas sind, die ausschliesslich den 20-Jährigen hinterherjagen. Dann bleiben mehr interessante Tänzerinnen für mich übrig...;-)

elbnymphe hat gesagt…

@Patrick, allein für Deinen letzten Absatz wünsche ich Dir ein langes Leben! :-)

elbnymphe hat gesagt…

@Peter: Obwohl ich ja sonst den Cabeceo hochhalte, wo nur geht, ist im Zusammenhang der Diskussion der Satz "Der Cabeceo ist der Königsweg" eine Platitüde. Es ging ja ums Sitzenbleiben auf fremden Milongas mit anonymer Szene und evtl. auch noch Frauenüberschuß. Wenn ihn keiner an mir versucht, ist es für mich auch kein Königsweg.

@ die anderen Tangueras: wenn ich einen Eintänzer engagieren würde, fände ich es irrelevant, ob er wirklich mich meint. Das sind in meinen Augen doch überzogen romantische Ansprüche, daß jeder Tanz die Verschmelzung zweier Seelen darstellen muß. Manchmal reicht es doch auch, wenn zwei Paar Beine sich gut verstehen. Vielleicht ist der Begriff Taxitänzer doch nicht so verkehrt: ein Taxifahrer befördert mich für Geld von A nach B. Ein Eintänzer befördert mich für Geld vom Status einer Unbekannten zu einer, die auf der Tanzfläche wahrgenommen wird.

Bei meinem Bankberater macht mir die Tatsache, daß er sich nur für mein Geld interessiert und nicht so sehr für mich, auch nichts aus! ;-)
Und wenn es nicht harmonieren sollte, dann hat man eben wirklich mal Pech, so ist das eben ab und zu im Leben.

Caren42 hat gesagt…

Ich fühle mich doch irgendwie angegriffen von "Herrn" Oswald, weil "ich sicher sein möchte, dass ER MICH meint, wenn er mich auffordert". Gerade weil die Rollenverteilung nicht unbedingt 50:50 im Tango ist (Copes und Nieves sehen das anderes, aber "Führen und Folgen" impliziert eher ein Ungleichgewicht für mich), argumentieren viele Männer, dass sie zu bestimmter Musik mit bestimmten Partnerinnen tanzen möchten. Ich denke, dass eine kreative, schöne, gelungene - oder was sonst noch - Inspiration gegenseitiges Öffnen und gegenseitige neue Impulse ermöglicht. Ich persönlich mag mich nur öffnen und einlassen, wenn ich eben nicht einen Hintergrund wie Mitleid oder Pflicht oder Geld oder Nicht-nein-sagen-können spüre, sondern ein echtes Bedürfnis und Freude, mit mir zu tanzen, andernfalls fehlt mir eine für mich wichtige Dimension.
Ich kenne mehrere Männer, die sich dazu aufgerufen fühlen, die zu lange Sitzenden aufzufordern, was für sie natürlich auch nicht nur Nachteile hat, stehen sie doch dann als edle Ritter da ;) Tanzvergnügen ist das nicht immer, das kann ich gut am Gesichtsausdruck ablesen.

Es ist doch eine ganz andere Sache, WIE das gemeinsame Tanzen zustande kommt. Oft kommt ein Mann auf mich zu und fragt direkt, manchmal ergibt sich die Gelegenheit, wenn wir nebeneinander sitzen und ins Gespräch kommen, manchmal an der Bar, manchmal durch Blickkontakt. Auch das ist und bleibt spannend.
Wenn ich allerdings spüre, dass ein Mann gerne mit mir tanzen würde, sich aber nicht traut, weil er vielleicht noch nicht so lange tanzt oder schüchtern ist oder was weiß ich, frage ich schon.

@elbnymphe: Meine Liebe, mich schüttelt's bei dem Gedanken, Bankberater und Tangotänzer in einem Topf zu sehen. Geld ist ja eine Sache, die du jenem anvertraust, beim Tango ist geht es um Gefühle, oder? (sagt die EX-Bankkauffrau)

elbnymphe hat gesagt…

Liebe Caren, irgendwie finde ich, der Tango wirft die schöneren Zinsen ab …

Patrick hat gesagt…

...und die sammeln sich ja auch schön, wenn das Leben lang genug ist. Aber wenn ich mal 80 bin, gehe ich bei den 40-Jährigen eben nicht mehr als Kücken durch...

Anonym hat gesagt…

@Raxie von der Anonymen: du hast recht insofern, als Berlin der einzige Ort ist, so ich leider das von dir beschriebene und gut geheißene/akzeptierte asoziale Verhalten bei Milongas erlebt habe.
Überall anders, wo ich bis jetzt tanzen war, werden fremde Frauen sehr wohl freundlich aufgenommen und auch aufgefordert. Wenn es dir persönlich nicht so ergeht, wird es wohl irgendwelche Gründe haben, die du für dich mal analysieren könntest, falls es dich interessiert.
Ich stimme Herrn Oswald zu, es ist nicht in Ordnung, die Verantwortung voll auf die Männer zu schieben. Ich muß ja nicht unbedingt wen auffordern als Frau (das ist auch bei uns sehr unbeliebt, und ich vermeide es für gewöhnlich), aber es gibt Cabeceo, es gibt die Möglichkeit, mit jemandem ins Gespräch zu kommen, dann entwickelt sich weiteres normalerweise von selber. Wenn ich entsprechend offen auf die Menschen zugehe, bringen auch sie mir Offenheit entgegen, so einfach ist das.

Raxie hat gesagt…

@anonym

Keineswegs heiße ich asoziales Verhalten für gut. Weder im Tangokontext noch im restlichen Leben.

Und wenn Du genau gelesen hättest, dann wäre Dir auch aufgefallen, dass ich lediglich vom Max u Moritz berichtet habe, wo ich gesessen habe. In allen anderen Milongas habe ich ganz normal getanzt, so wie mittlerweile meist. Weil ich freundlich aufgefordert worden bin. So einfach ist das.

Und wenn zu wenig Herren da sind, dann hilft auch ein Cabeceo nichts. DAs ist nun mal so. Da muss Frau auch nicht in sich gehen, um zu analysieren, woran es denn wohl liegen könnte, dass Frau gerade sitzt.... Auch das ist ganz einfach zu beantworten.

Und wenn Du es als asozial bezeichnen solltest, dass ein Paar vielleicht mal richtig lang nur miteinander tanzt, ohne zu berücksichtigen, dass vielleicht jmd anderes dafür lange sitzen muss - dann stimme ich Dir in der Bezeichnung dieses für das Paar traumhaften Zustandes nicht zu. Das ist in meinen Augen nicht asozial. Es ist wunderschön für das beteiligte Paar. Und so ein Paar reiße ich nicht auseinander. Das geht ausschließlich die beiden etwas an, wie lange sie miteinander tanzen. Das gestehe ich jedem zu. Und sogesehen ist der Tango dann tatsächlich nicht sozial - weil er keine Verpflichtung in sich birgt, seine eigenen Bedürfnisse u die des Partners zurückzustellen, um alle gleichmäßig betanzen zu müssen.

Tangosohle hat gesagt…

Also dieses Wort sozial scheint mir doch sehr verschiedene Bedeutungen zu haben. Vieles habe ich verstanden seit ich die Gruppen von Argentiniern im Hamburger universo oder in der späten Berliner Strandbar beobachtet habe. Man steht zusammen, redet, lacht und tanzt auch mal zwischendurch. Ich könnte mir vorstellen, dass das in einer "portenischen Kultur" irgendwo in der Öffentlichkeit oder gar zu Hause nicht so einfach möglich ist. Wohl aber auf der Milonga, das ist dann ein soziales im Sinne von gesellschaftliches Ereignis. (ich war aber noch nie in Argentinien, daher kann ich nur spekulieren) Hierzulande wird "sozial" vielleicht zu oft mit gerecht, Streicheleinheiten, Fürsorge, caritas konnotiert und da hängen dann auch Erwartungen mit drin. Und wo es Erwartungen gibt, da gibt es zwangsläufig auch Enttäuschungen.

cassiel hat gesagt…

... und die Diskussion geht weiter...

Kollege Tangosohle hat in seinem Blog einen Beitrag geschrieben...

Anonym hat gesagt…

@Tangosohle von der Anonymen: ja, die Begriffsdefinition scheint recht unterschiedlich zu sein. Ich verstehe unter "sozial" beim Tango das gesellschaftliche Element, ein Miteinander, ein Sich-Einlassen nicht nur beim Tanzen, sondern auch beim Plaudern, bei ernsten oder weniger ernsten Gesprächen, ein freund(schaft)licher, fast liebevoller Umgang miteinander, der gemeinsame Genuß von Stimmung, Musik, Tanzen, Reden unter Gleichgesinnten.
@Raxie: aus meinem gerade dargestellten Verständnis heraus verhält sich ein Paar, das stundenlang nur miteinander tanzt insofern nicht sozial, als sie sich bewußt aus dem sozialen, gesellschaftlichen Kontext heraus nehmen. Das ist schon in Ordnung, wenn sie das tun. Nur hört man dann häufig als Begründung oder Rechtfertigung, sie müßten ja miteinander tanzen, weil die Tanguera nicht mehr von anderen Männern aufgefordert würde - völlige verdrehte Darstellung von Ursache und Wirkung.
Aber zurück zum Thema Taxitänzer: ich ersuche die Herren sich vorzustellen, es gäbe weniger Frauen als Männer bei den Milongas, und dazu meine Frage: würdet ihr Frauen bezahlen, damit sie mit euch tanzen?

elbnymphe hat gesagt…

@der Anonymen: Deine letzte Frage, war die ernst gemeint? Männer (Anwesende bzw. Mitlesende selbstverständlich ausgenommen) hatten doch noch nie ein Problem damit, (für) Frauen zu bezahlen. Man kann es etwas charmanter auch mit „Einladung“ umschreiben. ;-)

Patrick hat gesagt…

Freier sind aber so gut wie nie nüchtern, und ehrlich gesagt wünsche ich mir solche Verhältnisse nicht auch noch an den Milongas. Ist doch schon schlimm genug, wenn man bei einer unbezahlten Frau spürt, dass sie keinen Spass am gemeinsamen Tanz hat.

elbnymphe hat gesagt…

Patrick, sind Deine Aussagen über Freier empirisch zu verstehen, beziehen sie sich vielleicht nur auf den nicht-deutschen Teil der Schweiz, also dort, wo man ordentlich zu feiern versteht? Fragen wir Herrn Blatter … ;-)

Anonym hat gesagt…

@elbnymphe von der Anonymen: verstehe nicht, was deine Äußerung soll. Ich habe eine Frage an die Männer gestellt, nicht an die Frauen. Du wirfst Tangosohle in seinem Blog vor, dass er in diese (einschlägig sexuelle) Richtung denkt, und jetzt tust du hier dasselbe? Verstehe ich nicht. Vielleicht können wir solche untergriffige Kommentare mal beiseite lassen und uns aufs Taxitanzen konzentrieren.

Tangosohle hat gesagt…

Ich bin zwischen zwei langen Arbeitstagen kurz zu Hause und wollte eigentlich noch gar nicht antworten. Soviel aber dann doch: Ich empfinde Elbnymphes Worte nicht als Vorwurf und sehe grad häufig ihre Zwinker-smileys. Mehr morgen, äh später.
LG
Tangosohle

elbnymphe hat gesagt…

@ der Anonymen: Ich denke, zum Thema Taxitanzen mit mehreren Kommentaren fundiert meine Gedanken zum Thema beigetragen zu haben, die das von Dir geforderte Niveau der Diskussion durchaus mittragen.

"Untergriffig" mußte ich erst einmal nachschlagen; mein Duden kennt es nicht; im Netz finde ich Definitionen von boshaft bis gemein. Wenn Du mir konkret zeigst, wo ich mich Deiner Meinung nach so verhalte, gehe ich gegebenenfalls darauf ein. Ansonsten bist Du diejeinige, die hier mit Vorwürfen und einem unfreundlichen, humorlosen Tonfall (nicht nur mir gegenüber) auffällt.

– Wenn Du meine Äußerung an Patrick verstehen willst, empfehle ich Dir als Lektüre sein Blog. Aber Vorsicht! Dort geht es oft mit Ironie zur Sache.

Anonym hat gesagt…

@elbnymphe: ich habe mich auf deinen Kommentar vom 13. April 2010 16:43 bezogen, in dem du den Ernst meiner Frage anzweifelst. Natürlich hast du in anderen Stellungnahmen positiv zum Thema beigetragen, keine Frage. Ich finde es schade, wenn jemand glaubt, ich lehne ihn/sie als ganze Person inklusive sämtlicher getätigten Äußerungen ab, bloß weil ich mal eine! Aussage nicht gut finde und mir erlaube, Kritik anzubringen.

Selbstverständlich ist meine Frage Ernst gemeint, und ich finde es schade, dass sich keiner der Männer zu diesem Thema (sicherheitshalber: es lautet "Bezahlen für das Tanzen mit einer Tanguera") äußern möchte.

Raxie hat gesagt…

Was ich überraschend finde, ist, dass noch niemand hier nachgefragt hat, wie Mann denn überhaupt Taxitänzer wird?

Das war eigentlich meine erste Frage. Was befähigt jmd, Taxitänzer zu werden/sein? Muss Mann dafür Tangolehrer sein? Oder einfach nur Jahre lang getanzt haben? Muss er gefragt (erkoren) worden sein, oder kann er sich selbst als solcher definieren?

Welche Eigenschaften an ihm sind in Bezug auf die Tanzsituation mit der Dame die wichtigsten? Virtuoses Tanzen? Sich selbst zurück nehmen können? Unmerklich alle "Fehltritte" der Dame korrigieren können? Was genau macht einen Mann zum Taxitänzer? Oder eben eine Frau zum Taxitänzer? In Berlin gab es ja auch eine Dame, die sich als Führende zur Verfügung gestellt hat u übrigens auch gebucht worden ist. Das hätte mich auch interessiert, aber ich war zu langsam im Denken - im Nachhinein bereue ich, dass ich das Angebot nicht genutzt habe. Je länger ich darüber nachdenke, desto sinniger finde ich das Angebot der Taxitänzer. Nächstes mal bin ich dabei! Bin ja mal gespannt, ob die Damen vom Augustkurs (da gibt es wieder Ladies Tage in Berlin) sich hier zu dem Kurs äußern werden u vielleicht ihre Erfahrungen mit den Taxitänzern hier posten. Wäre toll, würde mich ehrlich interessieren!

@Cassiel
50!
:-)

Tangosohle hat gesagt…

@Raxie:
ganz einfach: Der in meinem Beitrag erwähnte Bekannte ist von den Veranstaltern angeworben worden. In Berlin reagiert man auf eine Anzeige "Taxitänzer gesucht" (mehrfach in der yahoo-Gruppe gesehen). In Buenos Aires lässt man sich dazu ausbilden.

Anonym hat gesagt…

www.be-my-dancer.de

Nur zur Info...

cassiel hat gesagt…

... hmmm...

Ich lasse den Werbehinweis jetzt einfach einmal stehen. Eigentlich finde ich es nicht so nett, einen Kommentar in einem Blog ohne einen inhaltlich Aspekt zu verfassen... einfach nur zur Werbung.

Zum Thema "Taxitänzer" äußere ich mich dann noch einmal in einem gesonderten Artikel.

lg

c.

Raxie hat gesagt…

@anonym

DAnke für den Link!!!

@Cassiel

Das ist doch keine Werbung! DAs ist exakt die Info, die mir gefehlt hat. 100% passend zum Thread. Einer der abgebildeten Herren ist übrigens der Herr, den ich fast im Max u Moritz engagiert hätte, wenn er früher da gewesen wäre. Im nachhinein bedauere ich, dass ich nicht rechtzeitig etwas mit ihm ausgemacht habe. Nächstes mal dann.

Roland hat gesagt…

Hier noch einige Anmerkungen eines Eintänzers von be my Dancer:
Es geht um eine Dienstleistung und um den Dienstleistungsgedanken, nicht mehr und nicht weniger, nicht um den Untergang der Tangokultur, der mitmenschlichen Wärme, oder der Würde und Moral.
Wir sind begeisterte Tänzer und unser Job ist, unsere Kundin zu begeistern. Tanzen und Tango bleibt dennoch etwas Sinnliches, aber wir trennen trotzdem klar Job und Privates. Für vielen Frauen mag sich das vielleicht langweilig anhören, andere sind froh und können sich erst dann völlig ihrer Tanzleidenschaft hingeben , wenn ihr Tanzpartner ganz klar keine privaten Absichten hat und die Leidenschaft seiner Tanzpartnerin nicht, wie so oft, missversteht.
Ich kann teilweise nachvollziehen, wenn eine Frau es unwürdig findet , für einen Tänzer zu bezahlen oder dass ein Tänzer nicht für Geld tanzen möchte. Hier spielen traditionelle Rollenverständnisse von Mann und Frau eine große Rolle und wir ziehen ja einen großen Teil unseres Selbstbewusstseins aus diesem Rollenverständnis. Wenn man/frau sich jetzt in aller Öffentlichkeit unweiblich und oder unmännlich verhält (hier feiern Klischees und moralische Vorstellungen fröhliche Urzustände: Frauen werden begehrt und rennen den Männern nicht hinterher oder bezahlen diese sogar noch, attraktive Männer sind Eroberer und lassen sich nicht bezahlen und sich von Frauen beurteilen etc. etc.), dann ist das wahrscheinlich ein entwürdigendes Gefühl, wenn man den Erwartungen der Allgemeinheit und seinen eigenen Erwartungen nicht entspricht. So ist es eben, wenn man in seinem eigenen Rollenverständnis einbetoniert ist. Ich gehe damit eher spielerisch um. Das alte traditionelle Spiel zwischen Mann und Frau mit festen Regeln auf einer Milonga kann ruhig zelebriert werden, aber bitte bitte nur spielerisch, vielleicht ab und zu mit kleinen Abweichungen? Wäre doch klasse, das ganze sollte nicht so bierernst behandelt werden.
Übrigens bitte nicht alle diese grusligen Klischees über uns und unsere Kundinnen. Meine Tanzpartnerinnen sind durchwegs attraktiv und sehr selbstbewusst und für mich modern. Für mich bedeutet Moderne vor allem Ironie, vor allem alten Gewissheiten, Ideologien und Erwartungen gegenüber. Und sie kümmern sich losgelöst von der Gesellschaft vor allem darum, dass sie den maximalen Spaß haben. Hört sich wahrscheinlich für viele wieder unmoralisch an.
Ein letztes Wort zur Kommerzialisierung. Wir sorgen dafür, dass viele Frauen wesentlich mehr Spaß am Tanzen haben oder erst durch uns zum Tanzen und zum Tango finden, das sage ich jetzt auch auf die Gefahr hin, dass sich jetzt viele Tangotänzer in Ihrer Tänzerehre verletzt fühlen sollten. Die Möglichkeiten und die Macht der Frauen wird steigen, die Tangogemeinde wird offener und es wird neue Gesichter geben. Diese Dienstleistung ist nötig und deswegen wird die vielbeschworene soziale Nestwärme, die meiner Ansicht nach nicht wirklich alle mit einschlossen hat, nicht verschwinden.

Raxie hat gesagt…

@Roland

was für ein wunderbarer Beitrag! Und ich stimme Dir durchweg zu. Besonders bei dem Punkt, dass die "soziale Nestwärme" nicht alle erfasst hat. Gerade bei größeren Milongas und in größeren Städten ist es eh gar nicht mehr möglich, zu sehen, wer lange sitzt und wer nicht. Den sozialen Charakter kann man da fast gar nicht mehr umsetzen.

Und genau in so einem Umfeld weiß auch fast niemand mehr, wer jetzt gerade als Taxitänzer unterwegs ist und wer nicht (außer den einheimischen Tänzern, die genau diesen Taxitänzer kennen). Und damit hat sich eigentlich auch der Gedanke erledigt, dass der Tango kommerzialisiert wird und keiner der anwesenden Herren mehr auf sein Umfeld achten muss/soll, weil das Problem des Sitzens von den Damen selbst durch Finanzkraft gelöst wird. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun, wie ich finde.

Und ich kann nur wiederholen, was ich weiter oben schon gesagt habe: Die beiden Damen, die einen Taxitänzer engagiert hatten und die ich beobachtet hatte, haben das sehr genossen. Und beiden Paaren konnte man nicht ansehen, dass sie gerade eine "Dienstleistung" abgearbeitet haben. Beileibe nicht!

Ich selbst zahle übrigens auch pro Woche einen Tänzer, um jeweils eine Einzelstunde zu nehmen. Das ist - meines Erachtens - sehr nahe dran an der Dienstleistung "Taxitänzer". Und natürlich empfinde ich das nciht als entwürdigend oder was nicht noch alles. Ganz im Gegenteil, ich liebe diese Stunden. Und mittlerweile bin ich mir sicher, dass ich in größeren Städten die Möglichkeit wahrnehmen werde, einen Eintänzer (find ich schöner, als Taxitänzer) zu engagieren. In Berlin konnte ich einige der Taxitänzer kennenlernen - exzellente Tänzer und ausgesprochen sympathisch. Was will Frau mehr?

Danke Roland für Deine interessanten Einblicke! Ich wünsche Dir und den beteiligten Damen weiterhin erfüllende Tänze!

Raxie hat gesagt…

@leo

Dir wollte ich noch antworten, dass Du Recht hast - eine Frau, die eine Aufforderung als "Mitleidsaufforderung" einstuft, hat wirklich selbst Probleme. Sie macht sich zu klein. Ich habe lange über Deine Worte nachgedacht. Und ich gebe Dir Recht.

Da ich das Wort "Mitleid" in dem Kontext des Auffordens hier im Blog wohl eingeführt habe (befürchte ich), möchte ich es jetzt auch wieder zurück nehmen.

Es war tatsächlich ein rein persönliches Problem in den ersten Monaten meines Tangolebens. Ich habe mich/mein Tanzen als so unzulänglich empfunden, dass ich mir lange nicht vorstellen konnte, dass Herren gerne mit mir tanzen könnten.

Mittlerweile hat sich diese innere Einstellung/Einschätzung stark gewandelt. Und ich bin mir sicher, dass die Herren, die mich auffordern, das um meinetwillen machen. Weil sie in diesem Moment genau mit mir tanzen möchten. Weil sie es genießen. Oder weil sie neugierig darauf sind, mit mir zu tanzen. Oder warum auch immer. Jedenfalls nicht aus Mitleid.

Ich nehme das also zurück. Und allen Damen, die möglicherweise ähnliche Entwicklungen durchmachen, wie ich das getan habe (in Bezug auf Minderwertigkeitskomplexe beim Tanzen), kann ich nur empfehlen: Bleibt dabei, macht Euch frei von solchen Gedanken.

Eine Freundin hat mal zu mir gesagt: "Andere Menschen laufen zum Psychiater - ich geh zum Tanzen." Da ist was dran, wie ich finde... :-)

Tangosohle hat gesagt…

@ Roland
Ein sehr schöner Einblick, vielen Dank für dein Statement!

@Raxie
In der Tat tanzt man-n auch ganz anders, wenn die Tänzerin akzeptieren kann, dass man-n sie ihretwegen aufgefordert hat.

Aurora hat gesagt…

@ Roland

vielen Dank für deinen Kommentar

@cassiel

vielen Dank für die Verlinkung

André hat gesagt…

Taxi Dancer in Berlin findet man jetzt auch bei agentberlin.de, da sind auch viele Tipps, wo und wann man in Berlin eine besondere Milonga findet. Gerade unter aktuell findet man auch außergewöhnliche Orte und Konzerte. Meine Freundin war auch im Kurs und ich durfte am Abend ihr Taxi Dancer sein. Der Kurs hatte sie immer schön inspiriert lange auf der Milonga zu tanzen.

Gruß aus Berlin, André

P.S. Wir haben auch Tangozimmer auf der Seite!

cassiel hat gesagt…

Ich habe jetzt zwei Tage Bedenkzeit gebraucht um zu entscheiden, ob ich den letzten Werbebeitrag lösche, oder ob ich ihn stehen lasse. Ich habe mich entschieden, den Beitrag stehen zu lassen – allerdings gibt es einen Kommentar:

Zunächst formal: Wer dieses Blog für Werbezwecke missbraucht hat ganz offensichtlich nicht die Idee von Blogs verstanden. Das ist schade (aber wohl kaum zu ändern). Inhaltlich bleibe ich bei meiner eher kritischen Haltung beim Thema TaxiTänzer: Es ist in meinen Augen der Versuch einer Abkürzung, die nicht wirklich funktioniert. Ich kann verstehen, warum manche Frauen ungeduldig werden (gerade dann wenn es einen dramatischwen Frauenüberschuss gibt), aber grundsätzlich muss es auch – so jedenfalls meine Meinung – die Phasen des Leerlaufs, der Pausen geben. Deswegen sind nach meiner Meinung TaxiTänzer ein Versuch einer illegitimen Abkürzung, der teuer und dazu noch dauerhaft nicht hilfreich für die entsprechende Dame ist. Aber selbstverständlich steht es jeder Tanguera frei, es einmal zu versuchen…

Anonym hat gesagt…

Hallo Mitleser,
bin darauf hingewiesen worden, dass Cassiel den Ort des Schreibens geändert hat und offensichtlich jetzt hier schreibt. Engangiert und eindeutig positioniert, wie immer.

http://www.tanzmitmir.net/tanzpartner-boerse/viewtopic.php?t=17144

Grüße
vom
Tänzer

cassiel hat gesagt…

Hallo Tänzer, darf ich kurz anmerken, dass ich schon einen Link veröffentlicht hätte, wenn diese Diskussion inhaltlich irgendwie sinnhaft gewesen wäre? Es ging (einmal mehr) um die seltsamen Ansichten und Verhaltensweisen von Gerhard, dem Autor des großen/größeren Milongaführers. Da der Autor es nicht so genau mit dem Zitieren nimmt, wurde ich einmal etwas deutlicher. Augenscheinlich hat dies dem Betreiber des Forums nicht gepasst und er hat den Diskussionsstrang gelöscht (obwohl es – verglichen mit so manch anderer Diskussion dort – gar nicht sooo hoch her ging).

G.R. Ewing aus dem Tango Forum bei tanzmitmir.net hat gesagt…

Hi Cassiel,
Hi liebe am Thema interessierten Mit-Leser,



hier gab es heute zum Thema "Taxitänzer*innen" im Tango und im Kizomba
(dem sogenannten "afrikanischen Tango", einer jungen und boomenden Schwester-Szene)
einen weiteren Austausch ..


http://www.tanzmitmir.net/tanzpartner-boerse/viewtopic.php?t=19370

Du, Cassiel, schriebst dort:
"Ich denke, in Städten, in denen die Szene groß genug ist, wird es das immer geben.
In kleineren Städten wird es mangels Nachfrage schwierig werden, ein solches Angebot dauerhaft zu etablieren."

Danke für diesen Link, der mich nun hierher führte:
ganz schön viel Lesefutter !!

Da wurde also tatsächlich sogar selbst dieses Thema der " Taxi-Tänzer*innen "
schon mal ausführlich hier in Deinem eigenen Blog besprochen, wenn auch
hauptsächlich von der weiblichen Perspektive aus ...

Kein Wunder, dass es tatsächlich schwierig für Dich wird,
ein neues ergiebiges Thema für einen neuen Blogbeitrag zu finden ;-)

Aber den hier oben von Dir angekündigten Artikel
("Zum Thema "Taxitänzer" äußere ich mich [..] in einem gesonderten Artikel."),
den hast Du wohl aufgrund Deiner Skepsis bezüglich dieses Themas
dann später doch noch immer nicht geschrieben, oder ?

Was auf jeden Fall aber wieder einmal deutlich auffällt:

im Gefolge Deiner früheren Blogartikel - und selbst zu diesem Gastbeitrag -
finden sich oft so ausführliche und inhaltsvolle Diskussionen Deiner Leser,
wie so manch anderes Blog sie nicht ein einziges Mal hervorgebracht hat ..

Und damit Du, lieber Cassiel, aber jetzt nicht zu übermütig wirst:

ich schätze zwar, so wie Du, die Methode des "mirada y cabeceo",
halte aber auch eine freundliche verbale Aufforderung
durchaus recht oft für die passendere Alternative .. ;-)
Darüber wurde jedoch nun wirklich schon oft genug geschrieben.

Daher jetzt noch 2 Bemerkungen zum Thema "Taxitänzer*innen":

1.)

Er hat es zwar etwas arg forsch formuliert, aber mit Patrick, Peter und Roland bin ich der Meinung, daß im Grunde der oben
kommentierende "Herr Oswald" zwar unbequeme, aber durchaus berechtigte Sichtweisen benannt hat, auch wenn Raxie und Elbnymphe dies nicht so ohne weiteres goutieren.

2.)

In der von mir im o.g. Forum erwähnten Kizomba-Szene werben einige der
Veranstalter sogar mit den konkreten Namen der für den Abend engagierten Taxitänzer*innen!

Dieses sind in der Regel dann allgemein bekannte, sehr gut tanzende und meist auch eher jüngere Menschen,
die mit einem weithin gut sichtbaren, grün leuchtenden Armband markiert sind und
den ganzen Abend zur Verfügung stehen müssen, um mit jedermann bzw. natürlich
vor allem auch "jederfrau" auf deren Aufforderung hin zu tanzen ...

... und das Ganze nicht etwa, wie offenbar in der Tangoszene für 40 € pro Stunde,
sondern oft nur für freien Eintritt und Erstattung der Fahrtkosten & Getränke,
und das dann den ganzen Abend lang.

Die Kosten dafür bezahlen in der Kizomba-Szene nicht etwa die in den Genuss
der Taxitänzer kommenden einsamen Damen, sondern die Event-Veranstalter!
Für diese rechnet sich dieses Modell jedoch offenbar, da durch die in Aussicht
gestellten Taxitänzer ein Vielzahl von zusätzlichen weiblichen Gästen auf diese Partys strömen :oops:

Alles in allem für mich eine doch etwas skurrile (oder gar morbide?) Konstellation!

Ich wurde zwar selbst auch schon als Taxitänzer von Kizomba- bzw. Tango-Veranstaltern angefragt,
allerdings ziehe ich es doch bei weitem vor, das von mir in langen Jahren erworbene tänzerische Vermögen
lieber eigenständig und autonom von irgendwelchen Vorgaben einzusetzen .. 8)

[quote="cassiel"]Schöns Wochenende und viele zauberhafte Tandas[/quote]

Das wünsch ich Dir und euch allen ebenfalls und werde deswegen
nun so langsam die entsprechenden Vorbereitungen treffen
und mich hier wieder verabschieden ... :wink:

G.R. Ewing aus dem Tango Forum bei tanzmitmir.net hat gesagt…

PS:

Cassiel, ich fand es gut,
dass du die auf Taxi-Tänzer*innen hinweisenden Links nicht gelöscht hast!
Es waren zwar vielleicht werbende Inhalte, aber durchaus auch mit informativem Charakter.

PPS:

Deiner Einschätzung ..
"Deswegen sind nach meiner Meinung TaxiTänzer ein Versuch einer illegitimen Abkürzung,
der teuer und dazu noch dauerhaft nicht hilfreich für die entsprechende Dame ist.
Aber selbstverständlich steht es jeder Tanguera frei, es einmal zu versuchen … "
stimme ich zu !!

.. allerdings mit der Einschränkung, daß
- sofern die Buchenden Ihre Euronen auf legitime Weise erworben haben -
dies ein durchaus legitimer (wenngleich auch vergeblicher, da nicht nachhaltiger) Versuch einer Abkürzung ist! ;-)


Um der "sozialen Ader" einer Tango Community mit leichtem Nachdruck auf die Sprünge zu verhelfen,
schätze ich alternativ zur Institution der "Taxitänzer" die vielleicht etwas pädagogisch wirkende,
aber durchaus ihren Zweck erreichende Vorgabe mancher Veranstalter, daß hin und wieder eine sogenannte "Berliner Tanda" gespielt wird.

Dies ist eine auf 6 Lieder verlängerte Tanda,
bei der nach jedem Lied jeweils mit einer anderen bisher unbekannten Person getanzt wird.

Bei der dadurch entstehenden "Unruhe", aka "Lebendigkeit" ist es allerdings häufig geboten,
nochmals besonders auf das disziplinierte Einhalten der Spuren einer Ronda hinzuweisen. ;-)

Wer das Tanzen auch nur eines Liedes mit einer zufällig zugeteilten, fremden Personen als Zumutung empfindet, der setzt sich während dieses bunten Treibens einfach still an die Seite und lässt den anderen ihren Spaß.

In aller Regel profitiert die Atmosphäre eines Abends jedoch von einer solchen Maßnahme engagierter Veranstalter,
und danach kann ja wieder das geregelte Prozedere von "mirada und cabezeo" seine Regie übernehmen, zumindest für diejenigen, welche dies vorziehen.

cassiel hat gesagt…

Hallo „G.R. Ewing aus dem Tango Forum bei tanzmitmir.net“,

vielen Dank für die Kopie Deines Kommentars bei TMM. Zu Deinen ergänzenden Vorschlägen möchte ich kurz schreiben:

Man kann natürlich das Modell der Berliner Tanda in den Tango importieren, aber eigentlich ist es eine Krücke. Der Wechsel der Tanzpartner nach jedem Titel bringt für mich eine unnötige Unruhe in die Milonga und eigentlich sollte es im Tango selbstverständlich sein, dass man sich auch auf eine Tanda mit einem bisher unbekannten Partner (mit einer bisher unbekannten Partnerin) einlässt. Das halte ich persönlich für zielführender.

So versuche ich beispielsweise in jeder Milonga eine solche Tanda mit einer bisher unbekannten Partnerin zu tanzen (manchmal soger zwei oder drei Tandas – wenn mehrere unbekannte Damen anwesend sind). Ich persönlich beobachte auch andere Tangueros, die so etwas machen. Diese geringfügig erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber frischen Milongabesuchern zahlt sich m.E. längerfristig aus.

Nur einen Titel zu tanzen, fände ich etwas zu kurz. Wir sind doch nicht beim Speed-Dating :-)

Vielleicht probieren es die Leserinnen und Leser für sich einmal aus: Pro Milonga eine Tanda mit einem bisher unbekannten Partner. Ich denke, das würde schon einiges bewirken.