Freitag, 5. März 2010

Nur mal so gefragt...

OK! Ich betreibe einen Blog. Warum darf ich also nicht einmal eine Frage in die Runde stellen? Stellt Euch doch bitte folgende Situation vor: Ein Abend mit mehreren DJs; das ist vorgegeben und nicht zu ändern. Live-Musik in mehreren Sets (ich habe mir mal einen Live-Mitschnitt von einem vergangenen Konzert organisiert und mehrmals gehört; ich bin nicht wirklich schlau geworden). Stellt Euch vor Ihr würdet gebeten genau eine Stunde Tango nach Mitternacht aufzulegen und ihr seid vermutlich die einzigen, die konsequent ältere Musik in Tandas auflegen. Es gibt viele Tänzer mit den unterschiedlichsten Niveaus. Die Tanzfläche ist voraussichtlich sehr voll. Um Neo- oder Non-Tangos müsst Ihr euch nicht kümmern, die werden von den anderen DJs aufgelegt.

Wie könnte man diese Stunde gestalten?

Ich lege einmal meine Überlegungen bis jetzt offen:
Ich würde einen großen Zyklus auflegen (also: Tango, Tango, Milonga, Tango, Tango, Vals) Das ist ungefähr eine Stunde. Alternativ könnte ich die Tango-Tandas auf drei Stücke begrenzen, dann wäre vielleicht noch Platz für eine abschließende Tango-Tanda.

Beginnen würde ich mit einer bekannten, leicht tanzbaren Tanda. Da ist mir jetzt spontan di Sarli (instrumental aus den 50ern) eingefallen. Ich würde mit Bahía Blanca eröffnen. Das ist bekannt und hat vielleicht eine programmatische Signalwirkung für die Stunde.

Wichtig ist auch die Auswahl der Milonga- und der Vals-Tanda. Die Milonga-Tanda darf nicht zu schnell sein, sollte aber beschwingt daher kommen (ich hätte jetzt an Enrique Rodriguez mit verschiedenen Sängern gedacht - Suavemente ist schon einmal vorgemerkt, alternativ gesungene Milongas von Alberto Castillo). Für die Vals-Tanda hätte ich Alfredo de Angelis ausgewählt - ich habe gerade No vuelvas María wiederentdeckt.

In jedem Fall würde ich gerne eine Canaro- und eine Caló-Tanda (vielleicht mit Berón?) spielen wollen.

Unentschlossen bin ich bei Pugliese. Der darf einerseits nicht fehlen, andererseits ist er energiereich und manchmal schwieriger zu tanzen.

Nach diesen Vorüberlegungen habe ich nur noch eine Tango-Tanda übrig. Und so viele Interpreten sind noch nicht in der Playlist vertreten. Ich hätte gerne D'Arienzo aufgenommen; vielleicht wäre aber auch eine Tanda Tanturi (Campos) angemessen. Hmmm...

Vielleicht fühlen sich ja hier einige Leserinnen und Leser inspiriert und denken auch ein wenig nach. Es wäre schön, wenn ich ein paar Anmerkungen lesen dürfte.

Insbesonders würde mich dabei auch die Meinung zu Tandas mit drei Tangos (im Unterschied zu den Tandas mit 4 Stücken) interessieren. So etwas habe ich nämlich noch nie aufgelegt. Was muss beachtet werden, damit eine schöne innere Kohärenz der Tandas entsteht.

Ich bedanke mich bereits jetzt für hilfreiche Kommentare.

26 Anmerkung(en):

Theresa hat gesagt…

Lieber Cassiel,

meiner Meinung nach ist der wichtigste Gesichtspunkt für die Musikauswahl nicht, dass du nur 1 Stunde hast (vergiss, was da alles reinpassen "muss", das ist eh nicht zu schaffen), sondern dass am gleichen Abend ein Orchester spielt.

Live-Musik ist oft schwierig zu tanzen - die Orchester sind ambitioniert, machen evtl. moderne, ins Konzertante tendierende Musik, alle sind auf der Tanzfläche - d.h. nach der Orchester-Tanda sind die Leute (vor allem die Führenden) oft gestresst. Da ist das A und O, danach leicht zu tanzende, bekannte Musik aufzulegen, die im deutlichen Kontrast zum Orchester steht. Bei 95% aller Live-Musik liegt man richtig, wenn man nach der Orchester-Tanda als erstes d'Arienzo, Tanturi, Lomuto, Rodriguez oder so auflegt.

Ich würde den Zyklus also gerade andersrum aufbauen: Erst das Einfache, Flotte, Rhythmische und am Schluss das Anspruchsvollere. Da ist eine Tanda di Sarli um "Bahia Blanca" herum ideal.

Ganz schlecht ist es, wenn eine Tanda dabei ist, die dem Orchester-Stil zu ähnlich ist. Da könnte Pugliese evtl. kontraproduktiv sein. Es ist auch respektlos gegenüber dem Orchester, etwas aufzulegen, das zum direkten Vergleich anregt.

Es gibt genügend Stile, denen die heutigen Orchester nicht im entferntesten nacheifern, wie d'Agostino oder Lomuto oder Típica Victor, die müssen her, und zwar das Beste davon, damit die Leute, die vorher gelitten haben, nach Herzenslust tanzen können!

Du solltest mehrere Tandas mit verschiedener Stimmung vorbereiten und dann aus denen aussuchen, je nachdem, was vor deinem DJ-Slot kommt.

Soweit mein Senf dazu. Viel Glück!
Theresa

leo hat gesagt…

und mein Senf dazu: ich frage mich, warum es sein muss, daß so viele DJs auflegen sollen. Die Gefahr ist, daß es keine Linie gibt, die dem Abend einen Charakter verleit. Die Tips von Theresa finde ich wertvoll, was die Beziehung zur Livemusik betrifft, aber ich persönlich würde mich nicht drum reissen, nur 1 Stunde aufzulegen, ohne daß eine fundierte Abstimmung mit den weiteren DJ-PartnerInnen stattfindet.
Woran liegt es, daß es nicht nur einer macht?

Tangosohle hat gesagt…

Soweit ich mir zu einem solchen Abend Gedanken machen würde: Wenn ich als Flagge des Traditionellen herhalten müsste, würde ich mich um einfache, klar strukturierte Musik kümmern. Früher di Sarli, ok, früher Pugliese auch, kommt drauf an, wo. Eher gegen Ende dieser einen Stunde.

Vor allem aber würde ich mich dem Verlauf des Abends, der Atmosphäre und den Bedürfnissen der Tanzfläche anpassen. Mein Eindruck ist, der Abend wird recht unruhig verlaufen, mehrere DJs, Livemusik. Ich würde dem Veranstalter doch sehr empfehlen, den DJs bestimmte "Schubladen" zuzuordnen, damit sich das Publikum besser orientieren kann und eine gewisse Transparenz erkennt.
Du kannst die Unruhe abbremsen und den Musikverlauf strukturieren, was ich angesichts der Uhrzeit nicht empfehle. Oder du greifst die Unruhe auf und strukturierst.

Du beginnst um Mitternacht? D.h., zwischen zwei Livesets? Ich lass mir immer die playlists der Orchester geben, das hilft meiner Orientierung sehr.
Du wirst aus dem Livemitschnitt nicht schlau? Dann ist es eher der Stil "Silencio" als "Quinteto Angel"? Da würde ich mit Malerba/Medina oder Canaro beginnen. Das sind klare Punkte. Und dann schnell Vals oder Milonga, je nachdem, wonach die Piste gerade hungert.
Und auf den nach dir folgenden Live-set würd ich richtig drauf zuspielen? Spielen die recht bald ein Vals? Dann vermeide du den Vals am Ende deines Sets.

Oder agiert vor dir ein Neo- Annett Louisian-Aufleger? Da würd ich persönlich mit einem knackigen Stilbruch beginnen, und am Ende dann einen Übergang zu den Nachfolgern herstellen. Bzw. dem Nachfolger die Chance geben, selbst wieder einen Punkt zu setzen. Aber das ist Geschmackssache und letztlich hängt es einfach von der momentanen Situation ab.
In der letzten Tanda des DJ-Vorgängers (oder Livemusik) beobachte ich einfach den Tanzfluss und überlege: Worauf würde ich selbst als nächstes gerne tanzen? Und so suche ich meine Starttanda aus.

Wenn seit drei Stunden überhaupt kein Vals gespielt wurde, dann ist der Tanzbedarf danach meist hoch - also gleich als zweite Tanda eine Valsrunde. (Gleiches gilt für Milonga)

Angelis-Valses: Zustimmung, mein Vorschlag: Caltuito, Ilusíon azul, und einen der Hits (Sonar.., Lagrimas.., Pobre Flor)

Wenn du siehst, dass die Tänzer weglaufen, überleg, ob die Stücke zu viel Vokalanteil hatten oder zu langsam sind. Dann brich eine Caló-Tanda eben nach drei Stücken ab. Lieber eine zu kurze Tanda als zu lange die Tänzer vertreiben. Möglicherweise dürfen in die Milonga ruhig auch ein oder zwei Candombes rein. Oder eine Canaro-Milongatanda. Ich würd im Moment entscheiden.
In einer solchen Stunde würde ich auf jeden Fall die Fröhlichkeit von Donato, Biagi oder Firpo mit rein nehmen. Damit punktest du immer und es ist ein schöner Schwung in die zweite Hälfte der Tangonacht.

Ach ja (mir fällt zwischendurch immer mehr ein), voraussichtlich wird die Livemusik also noch einmal auftreten. D.h., es sind noch viele Tänzer wegen des "Live-Events" da und um dabei zu sein. D.h., eine weite Spanne an tänzerischen Niveaus (um mich mal vorsichtig auszudrücken...)

Letztlich gilt: Die Tanzfläche gehört eine Stunde lang dir, schenk sie dem Publikum und diene ihm.

sophia hat gesagt…

Und auch ich möchte die Frage stellen, warum nicht ein DJ allein auflegt. Ist die Musik so zweitrangig? Ich interpretiere jetzt einmal und vermute, Du beteiligst Dich unter diesen "ungewöhnlichen" Bedingungen, damit wenigstens eine Stunde alte Tangos gespielt werden. Habe ich Recht?

cassiel hat gesagt…

Ich warte auf einen Rückruf, da kann ich schnell zwischendurch schreiben.

Vielen Dank für die ausführlichen Anmerkungen. Ich habe inzwischen 5 Stunden passende Musik herausgesucht und in Tandas zusammengestellt.

Für jede Tanda in der Stunde habe ich mindestens zwei Alternativen (schneller, langsamer, vokal, instrumental).

Bei der Milonga-Tanda bin ich mir noch unsicher. Von Rodriguez bin ich mittlerweile gar nicht mehr so überzeugt. Ich hätte nie gedacht, daß es so schwierig ist, langsame Milongas mit reduzierter Energie zu finden.

Die Vals-Tanda von de Angelis durfte bis jetzt bleiben. Ich hätte ja auch gerne Pedro Laurenz gespielt, der hat aber zu viel Pfeffer - Paisaje gehört m.E. zu den schönsten Valses überhaupt.

Für die Eröffnung schwanke ich zwischen Lomuto (instrumental - vielleicht mit Fumando espero am Anfang) und Canaro...

Pugliese werde ich spielen. Ich selbst finde, daß Tangoabenden etwas fehlt, wenn er nicht gespielt wird. Also gibt es eine Tanda.

So, das war jetzt ein kleiner Zwischenbericht...

Vielleicht schreibe ich in ein paar Tagen noch einmal.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 1:

Hallo Cassiel,

klare Antworten kann ich Dir kaum geben, weil zu viele Aspekte Deiner Situation noch unbekannt sind und sich erst an Abend selbst entpuppen werden. Dazu müsste ich vor Ort sein, den Verlauf des Abends vor meinem Einsatz mit allen Sinnen erspüren. Trotzdem will ich versuchen, Dir einige Anregungen zu liefern, die in diesem besonderen Fall allerdings bestenfalls Theorie sind.

Wenn am selben Abend verschiedene DJ unterschiedliche Bedürfnisse abdecken, ergibt das zwangsläufig ein Wechselbad, das keine Kontinuität aufkommen lässt und noch weniger Harmonie. Resultat sind Nervosität und Hektik auf und neben dem Parkett. So ein Setup lädt manche DJs zudem dazu ein, sich auf spektakuläre Weise in den Vordergrund zu drängen, anstatt im Hintergrund aufmerksam ihren Job zu erledigen. Warum veranstalten Veranstalter bloss so ein Chaos?

In einem dermassen heterogenen Umfeld werden viele Regeln ausgehebelt, die für klassische Milongas von zentraler Bedeutung sind. Spontan auf die Laune der Tänzer einzugehen ist unabdingbar, vorbereitete Playlists führen hier kaum zum Ziel, ja können sogar behindern. Gut möglich, dass der traditionellste DJ im Gebrüll seiner Mitbewerber völlig untergeht. Also ist eine Gratwanderung angesagt, was für Grenzgänger. Vermutlich ist der eine oder andere Tabubruch nötig, um das zentrale Ziel zu erreichen: Tänzer mobilisieren und begeistern. Kann sein, dass in erster Linie treibende Tandas angesagt sind und die lyrischen kaum zum Zug kommen. Andererseits muss man als traditioneller TJ natürlich aufpassen, dass man sich auch in diesem lauten Rahmen treu bleibt. Denn wenn vorher besonders laut geschrien wurde, treffen leise Töne unter Umständen genau den richtigen Ton.

Leider haben viele Tango-Orchester keinen blassen Schimmer davon, wie man für Tänzer musiziert. Trotzdem werden auch sie von Veranstaltern regelmässig gebucht, weil Live-Musik meist viele Tänzer mobilisiert. Zudem tendieren Musiker die nicht häufig Gelegenheit haben sich vor Publikum zu produzieren dazu, zu lange auf der Bühne zu bleiben und zum Abschluss Überlanges und/oder Untanzbares zu spielen. Der hinterher auflegende DJ darf die Folgen solcher Entgleisungen dann ausbaden.

Im Rahmen einer Stunde ist es unmöglich, die EdO repräsentativ aufzulegen. Ein Orchester bildet das Rückgrat jeder EdO-Milonga und eine ganze Reihe von Orchestern werden von den Tänzern jedes mal zu Recht erwartet. Dazu braucht es aber rund sechs Stunden. Unter vier Stunden bleibt jede Zusammenstellung unbefriedigendes Stückwerk, weil zu viele elementare Orchester und Orchester/Sänger-Kombinationen nicht zum Zug kommen. Du kennst das ja: Kurze Milongas führen mit der Zeit zwar leise und heimlich aber eben unweigerlich zu einer Marginalisierung der Repertoire-Breite und damit zu Langweile bei langjährigen, guten Tänzern mit musikalischem Anspruch.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 2:

Im jedem Rahmen unter vier Stunden ist man als traditioneller TJ gezwungen mit der Kettensäge aufzulegen, weil die Zeit fehlt um die Dinge sich organisch entwickeln zu lassen. Weniger Bekanntes besonders Schönes fällt unter den Tisch und es ist kein Raum mehr da für jene Überraschungen, die gute DJs ausmachen und gestandene Tänzer zu Entdeckungsreisen animieren. Ziel so einer einstündigen Turbo-Performance ist daher eine subjektive Zusammenstellung, die EdO-Liebhaber schmunzeln und EdO-Verachter aufhorchen lassen soll. Ich weiss, das ist ein hoher Anspruch. Aber es lohnt, sich dem anzunähern. Damit das klappen kann muss natürlich die Balance zwischen 30er / 40er / 50er stimmen. Du weisst ja: auf dem Parkett kreiert zu viel 30er Langeweile, reisst zu viel 50er die Stimmung in den Keller. Aber das kann ich hier unmöglich vermitteln. Dazu gibt es immer noch meinen DJ-Workshop ;-) Wenn der Anteil an EdO-Verachtern gross ist, lege ich meist aber nicht immer in 3er-Tandas auf, denn für diese Tänzer sind 4er-Tandas oft zu viel vom vermeintlich Gleichen. Man kann auch 4er-Tandas vorbereiten - wohlwissend welche Stücke man gegebenenfalls überspringt.

Damit meine Meinung nachvollziehbar ist, gehe ich von einer konkreten Situation aus: um 01 Uhr in der Früh an einem Ball ist oft das letzte Take des Orchesters vorüber. Meist gibt es nach einer Zugabe bereits eine Verspätung im Programm und damit reichlich Unruhe und Ungeduld unter den Tänzern. Zudem es stellt sich die Frage, wessen Spielzeit dadurch beschnitten wird. Wer das nicht klärt, dessen Planung kann schnell Makulatur werden. Ich gehe für mein Beispiel von einem Orchester aus, welches konzertant musiziert hat. Das habe ich als DJ wie als Tänzer leider viel zu oft erlebt. Ganz egal wie viel am Ende einer solchen Performance aus Höflichkeit oder Unwissen geklatscht wurde - hinterher ist die Stimmung meist durchzogen, da die Tänzer frustriert sind, auch wenn manche sich dem kaum bewusst sind.

In dieser Situation herrscht fast immer Aufbruchsstimmung, obwohl viele Tänzer musikalisch ausgehungert sind. Dann hast Du als DJ genau 30 Sekunden und damit den Start eines einzigen Stücks Zeit, der darüber entscheidet, ob viele Leute tatsächlich aufbrechen oder noch eine Weile bleiben und womöglich wieder einsteigen. Falls der Veranstalter den Fehler macht, nach der öden Live-Musik mit einer Ansage die Stimmung vollends in den Keller zu reissen, hast Du als DJ keine Chance mehr. Die Leute werden in Scharen aufbrechen und Du brauchst 30 Minuten um wieder so was wie Stimmung aufzubauen. Daher starte ich nach der Live-Performance mit der ersten Tanda in dem Moment in dem der letzte Musiker den Vorhang erreicht.

Für den Auftakt brauchst Du was Fetziges, Treibendes und doch nicht zu Schnelles. Daher wären in dieser Situation die grossartigen, aber eben abgelutschten instrumentalen Schlaftabletten von di Sarli aus den 50ern nicht meine Wahl. Denn damit fegst Du keine Unruhe und keinen Frust weg. Ich wähle in so einer Situation meist absichtlich was Überraschendes und ich nehme - hallo Theresa, wieder mal gehen wir ganz unterschiedliche Wege - keine Rücksicht auf das vorher spielende Orchester.

Oft ist es nicht möglich vom Orchester vorab eine Playlist zu erhalten und wenn doch, halten sich die Musiker häufig nicht daran. Zusammenarbeit stelle ich mir anders vor. Zudem werde ich engagiert, um Tänzer glücklich zu machen. Orchester sind wie ich Dienstleister. Die Rolle des Stars gebührt den Tänzern. Wettstreit halte ich für konstruktiv, solange der Umgang von Fairness und Offenheit geprägt ist. Die Musiker der EdO wären nie so gut gewesen, wenn der Wettbewerb im Bs As der 40er mit über 600 Tango spielenden Orchestern nicht knallhart gewesen wäre.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 3:

Eine Stunde ist wenig Zeit. Da kann ich mich nicht schrittweise an Bedürfnisse oder Ziele heran tasten. Daher kann sogar ein heftiges Augenzwinkern am Platz sein: eine Tanda mit dem Sexteto Milonguero zu Auftakt etwa. Der Sound ist zeitgenössisch und die Stücke fetzen. Wenn das die Tänzer dazu motiviert, das Parkett sofort wieder füllen, hat der Start geklappt und die Hälfte der Aufbrechenden bleibt vorerst. Keine EdO? Schon klar, aber auch ein traditioneller DJ sollte die eine oder andere musikalische Fremdsprache wenigstens radebrechen können.

Für so einen Abend musikprogrammiere ich persönlich allerdings nochmals anders: Ich stelle den Tanzspass in den Vordergrund, starte mit Milonga oder Vals und spiele für die erste Tanda ausschliesslich Ohrwürmer um die Tänzer zu fokussieren und einzustimmen. Falls die Stimmung einigermassen intakt ist, fällt meine Wahl auf Vals-Ohrwürmer. Da gibt es viele Möglichkeiten: Castillo/Castillo - d'Arienzo/instr - d'Arienzo/Maure - d'Arienzo/Echague - de Angelis/Duo Dante-Martel - Rodriguez/Flores - Tanturi-Castillo - Troilo-Fiore. Falls die Stimmung ganz im Keller ist, können den Abend nur Milonga-Ohrwürmer retten. Auch hier ist genug Auswahl da: Canaro/instr - Canaro/Maida - d'Arienzo/instr - d'Arienzo/Echague - de Angelis/Sänger-Mix - di Sarli/Ruffino - Donato/Lagos - Laurenz/Sänger-Mix - Lomuto/Diaz - Tanturi/Castillo.

Als zweite Tanda berücksichtige ich in dieser Situation das Rückgrat jeder gestandenen EdO-Milonga, falls ich ihn für meine erste Tanda noch nicht eingesetzt habe: d'Arienzo. Hier passt nur eine Tanda mit dem König des Lunfardo: Echague. Ob aus dem ersten oder letzten Stint hängt von der Situation und dem Niveau der Tänzer ab. Wenn die Tänzer gut genug sind darf es ruhig eine Tanda aus dem letztem Stint sein. Falls ich d'Arienzo schon für die erste Tanda eingesetzt habe, lege ich je nach Situation vielleicht Canaro mit Maida, oder Lomuto mit Omar auf. Falls die Tänzer schon wieder wach genug sind wird es jedoch Laurenz mit Casas sein.

Mit der dritten Tanda beschere ich den Tänzern eine Überraschung, etwas das sie fordert, foppt, weckt - augenzwinkernd: EdO und trotzdem moderner, spannender, anspruchsvoller als alles, was später kam: de Caro aus den 40ern. DJs die ihrem Publikum ständig nach dem Maul reden langweilen nämlich ganz schnell.

Weiter möchte ich nicht ins Detail gehen. Cassiel, nimm meine inzwischen schon viel zu konkreten Vorschläge bitte nicht wörtlich. Es sind Beispiel, die ich mir in dieser Situation durchaus vorstellen kann und auch funktionieren. Ich habe sie in Praxis ausprobiert. Sie sollen lediglich vermitteln, was einem DJ im Rahmen dieses Setups durch den Kopf geht. Andere DJ mögen die selben Überlegungen anstellen oder völlig andere. Auf jeden Fall werden sie sogar mit den selben Gedanken vollkommen anders musikprogrammieren. Und das ist gut so. Wenn es eine richtige Lösung gäbe, wären Milongas schrecklich langweilig, DJs könnten durch Computer ersetzt werden.

Aber warum um alles in der Welt soll ich mich auf so einen Flickschustereiabend einlassen? Es ist anspruchsvoll genug als einziger DJ auf sein Publikum einzugehen und dem Abend ein Gesicht zu geben. Ich habe null Bock darauf, die Böcke anderer auszubügeln und dann zuschauen zu müssen, wie meine Nachfolger die Stimmung mit einer einzigen Tanda wieder dem Erdboden gleich macht. Damit will ich nicht sagen, ich sei der bessere DJ. Aber ich ziehe es vor, die Verantwortung für meine eigenen Taten oder Untaten selbst auszubaden - im Guten wie im Schlechten.

herzlich - Christian

Chtistian Tobler hat gesagt…

Berichtigung:

Manchmal schafft ein einziges Wort grosse Missverständnisse. Betreffend d'Arienzo/Echague beziehe ich mich natürlich auf den zweiten (1944/57 und hier besonders auf die Jahre um 1950) und nicht den letzten, dritten Stint.

Ich sage nur: Farabutesepenopripitapanoplaceelnenedelabastoamarrotoysemprelamismahistoria ;-)

cassiel hat gesagt…

Lieber Christian,

vielen Dank für Deine ausführlichen Überlegungen. Spätestens jetzt sollte klar sein, daß jeder Tango-DJ einmal für drei Tage nach Zürich muss. ;-)

Zwischenzeitlich hat sich eine Änderung ergeben: Möglicherweise rutsche ich mit meiner Stunde an den Anfang des Abends. Damit sind all meine Vorüberlegungen obsolet geworden. Bei manchen Veranstaltern hat die musikalische Gestaltung eben nicht einen so hohen Stellenwert. Da der Zeitpunkt meines Auflegens nicht endgültig feststeht, werde ich jetzt versuchen mich entspannt zurücklehnen und abwarten. Ich muss dann spontan auflegen. Das macht mich ein wenig nervös - dafür bin ich nicht erfahren genug. Ich habe aber mittlerweile so an die 100 Tandas und mir wird schon etwas einfallen.

Ich bedanke mich noch einmal sehr herzlich für alle konstruktiven Hinweise.

Anonym hat gesagt…

Noch vor einem Monat hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, alle Kommentare zu diesem Artikel zu lesen. Vor drei Wochen war ich bei einer Milonga und da passierte es: Ein Tango-DJ hat den Saal mit seiner Musik verzaubert. Es war fast wie ein Rausch. Ich habe weitaus besser getanzt als es mir sonst möglich ist und der Abend hat mich musikalisch weiter gebracht. Der DJ hat dann später am Abend ein Stück gespielt, das ich kannte - ich wußte aber nicht, von wem es ist. Ich habe ihn dann einfach gefragt und er hat so warmherzig und freundlich reagiert, dass ich direkt überwältigt war. Er holte aus seinem Rucksack einen kleinen Block und schrieb mir Titel und Interpreten auf. Ich konnte während dieser kurzen Zeitspanne einen Blick auf sein Laptop werfen und auf die gedruckten Listen, die neben dem Laptop lagen. Da habe ich begriffen, gute Tangomusik ist kein Zufall - das ist harte Arbeit.

Ein paar Tage später habe ich im Restpostenregal in der Buchhandlung für 9,95 Euro "Tango, pasion y emocion" gefunden - 10 CDs. Seit dem höre ich mich in die Musik ein und weiß erst jetzt, was mir all die Jahre entgangen ist.

Cassiel, wissen die Anderen denn nicht, wer Du bist? Warum sollst du nicht den ganzen Abend auflegen?

Das war jetzt mein erster Diskussionsbeitrag hier. Wann schreibst du wieder mehr?

Helmuth T.

cassiel hat gesagt…

Hallo Helmuth,

schön, daß Du hier schreibst. Zu dem Kauf des Samplers kann ich Dich nur beglückwünschen. Er bietet einen guten ersten Einstieg in die Musik der EdO. Ich bin jetzt nicht der Klangexperte, aber die Versionen sind für mein Gehör auch liebevoll restauriert. Leider hat sich ein Fehler bei der Produktion eingeschlichen; die Stücke auf der CD und auf dem Cover sind nicht identisch.

Hier findest Du eine korrigierte Liste.

http://deu.tango.info/04011222317599

Und zu Deiner Frage: Nein, niemand weiß wer ich bin (hoffentlich). Es geht nach meinem Empfinden im Tango niemals um Personen sondern immer um die Sache. Dieser Weg ist vielleicht etwas mühsamer aber bestimmt nachhaltiger. Mir persönlich wäre es auch lieber gewesen, ich müsste nicht mit der Brechstange die essentiellen Stücke in eine Stunde hineinzwängen - das ist nun nicht zu ändern. Also suche ich den bestmöglichsten Kompromiss.

Ich wünsche Dir viel Freude mit den CDs.

Einen schönen Tag wünscht...

c.

Theresa hat gesagt…

@Christian:
Vielen Dank für deine ausführlichen und interessanten Überlegungen. Die von dir imaginierten Situationen hab ich schon oft genauso erlebt. Genial: die de Caro-Tanda!

Anonym hat gesagt…

Hallo Cassiel,

mich würde interessieren wie der Abend verlief. Hat Dein Auflegen funktioniert? Wie verlief der Rest des Abends?

Wenn Du Dir hier schon Ratschläge holst, dann könntest Du ja auch ein wenig Feddback geben. Das haben Deine Leser verdient.

elbnymphe hat gesagt…

Ich war auch schon neugierig …

B. G. hat gesagt…

... und ich wäre auch neugierig...

cassiel hat gesagt…

Ich gebe ja zu, ich war in der letzten Zeit sehr nachlässig mit dem Verfassen von Beiträgen und Anmerkungen. In diesem Fall war meine Stille allerdings informationstragend.

Mir ist es mit meinem Auflegen sehr gut gegangen. Ich habe um 18 Uhr endgültig erfahren, daß ich schon ab 21 Uhr auflege. Ich habe dann meine ganze Playlist noch einmal umgestellt und ich war sehr zufrieden. Mit dem Orquesta habe ich mich noch abgestimmt und den Übergang zwischen meinem Auflegen und dem ersten Set kurz abgesprochen. Die Livemusik war sehr gut (das Demo war wohl etwas unglücklich gewählt).

Der Rest der Musik aus der Konserve war erwartungsgemäß - anders kann ich es nicht beschreiben ohne eklatant gegen die Tangohöflichkeit zu verstossen.

affig hat gesagt…

Musikspiesser!

Es ist doch egal, was für SStücke gespielt werden. Warum machst Du da immer so einen Wind?

Tanguera hat gesagt…

@affig

selbst wenn ausschließlich Affen anwesend gewesen wären, hätten die sicher ebenfalls sehr sensibel gespürt, dass es nicht harmonisch ist. Ganz zu schweigen von ernsthaften Tangueras und Tangueros.

Dass es für Dich natürlich komplett egal ist, was aufgelegt wird, versteht sich von selbst.

@all

Der Ball ist weit hinter seinen Möglichkeiten zurück geblieben. Leider, leider. Eigentlich hätte es genial sein können. Tolle Räumlichkeiten, guter Boden, alles drum rum perfekt organisiert, phantastischer Showtanz, exzellente Workshops... gut besuchter Ball, herausragend tanzwillige Tangueras und Tangueros... sehr gute live-Musik. Eigentlich perfekt.

Wenn nicht die Musik ein Chaos gewesen wäre. Ein Ball lebt von der Musik, nicht von dem DrumRum, wie ich meine. Das perfekte DrumRum kommt dann nur noch als Zuckerl oben drauf. Aber wenn die Musik nicht passt, dann taugt alles nichts. Schade!!!! Meiner Meinung nach hätte Cassiel den ganzen Abend auflegen müssen. Dann wäre es wirklich perfekt gewesen. Denn die Ballorganisation war ansonsten wirklich sehr sehr gut! Hut ab!

Und dennoch bin ich für mich zu dem Ergebnis gelangt, dass ich nächstes Jahr den Ball wohl nicht mehr besuchen werde - es sei denn, es ist klar, dass ausschließlich Cassiel auflegt oder ein vergleichbar guter DJ.

elbnymphe hat gesagt…

@ Tanguera: Millionen von Frauenherzen verfärben sich gerade grün vor Neid, weil Du die Chance hattest, im selben Raum, auf dem selben Ball wie Er zugegen zu sein. ;-)

Danke für das Klarstellen, was für Dich als Tanguera einen guten Ball ausmacht.

Tangosohle hat gesagt…

Ich möchte einmal andersherum fragen: Wenn unter diesen Umständen, die du beschreibst, letztlich dann doch die vorbildlichen Tänzer mit dir vorbildlich getanzt hätten - würde die Musik bzw. das Musikchaos noch eine Rolle in der Bewertung des Abends spielen?

Meine Erfahrung mit Beschwerden von Gästen ist nämlich diese: Wenn nicht die passenden Tänzer(innen) da sind oder die auserwählten/erhofften Tänzer den ganzen Abend die kühle Schulter zeigen, dann ist der DJ schuld. Wenn der DJ unantastbar ist, dann ist der Boden schlecht. Oder das Licht zu hell. Oder die Getränkepreise zu hoch. Etc.
Aber Musik oder Boden können aber gar nicht schlecht genug sein, wenn nur die Tanzpartner stimmen. Dann schmelzen die traditionellsten Tangueros (ok, nicht alle) zu "Nothing else matters" von Apocalyptica &Co nur so dahin, dass ich schon oft die Welt nicht mehr verstanden habe.

Das ist auch so ein Aspekt beim Auflegen, fernab von musikalischen Logiken: Ich versuche auf die Männer zu achten, die längere Zeit sitzen. Denn sie sind es (meistens), die die erste Entscheidung zum Tanz fällen, also muss man sie auch irgendwie motivieren. Und dann das übliche, schauen, dass die Musik zum Tanzniveau passt und auf die Musikalität der Tandas und des Abends achten.

Tangosohle hat gesagt…

uiuiuiuiuiui,
jetzt habe ich - oh ist das unangenehm - wie sieht das bloß aus - jetzt muss ich mich aber nochmal äußern....

Also, tanguera, du sprichst von dem Ball, bei dem Cassiel sein Stündchen hatte. Nun, ähm, gleich nebenan schrieb zeitnah eine tanguera von einem Ball mit meist unfeinen und wenigen vorbildlichen Tänzern. An diese dachte ich im ersten Absatz meines Beitrags. Aber, was deinen Ball anging, da waren die Tänzer anscheinend ok. Also nehme ich meine Frage an dich zurück und entschuldige mich. Du, tanguera, hattest scheinbar die vorbildlichen Tänzer.
So erscheint mir dieser Ball als ein Konglomerat von zu viel Perfektion. Das ist aber irgendwie auch nichts. Welche Erfahrung haben die Veranstalter mit Bällen?

cassiel hat gesagt…

Was geht denn hier ab???

Mir wäre es sehr Recht, wenn wir das nicht an Personen festmachen. Und eine Stunde am Beginn einer Milonga sind nun wirklich keine Sternstunde des DJ-Daseins. Da legt man eben das auf, mit dem die Besucher in den Abend finden und PUNKT. Nichts anderes habe ich gemacht. Es waren nicht meine Lieblingstangos sondern rhythmisch klare Stücke, die man eben zu Beginn einer Milonga spielt. Und natürlich habe ich in Tandas aufgelegt. Wie bereits x-mal geschrieben, halte ich Tandas für eine Form der Höflichkeit den Besuchern gegenüber.

Wenn aber danach das volle Programm an Non-Tangos abgespult wird (in kunterbunter Mischung), dann ist das ungefähr so, als ob auf einem Hardrock-OpenAir ein Quartett barocke Flötenmusik aufführt. Jeder Besucher wäre berechtigterweise enttäuscht.

Wenn ich über Stunden auf einem Tango-Event nicht ein Stück höre, das älter als 10 Jahre ist, dann ist das für mein Empfinden fast ein Etikettenschwindel.

Wenn ich mit dieser Meinung ein Musikspießer bin, dann nehme ich den Ehrentitel gerne an.

Wie bereits geschrieben, geht es hier um die Sache - nicht um Personen.

Tanguera hat gesagt…

@Tangosohle

Ja, Du hast recht, da waren zwei unterschiedliche Tangueras unterwegs. Bei "meinem" Ball (der, wo auch ER/Cassiel anwesend war :-) habe ich wegen der Musik "etwas" gehadert. Nicht wegen der Tänzer.

Und ich finde Deine Frage über alle Maßen berechtigt. Hätte ich die Musik auch dann als nicht gut empfunden, wenn meine beiden favorisierten Tänzer anwesend gewesen wären? Eine wirklich gute Frage! Und mittlerweile kann ich sie Dir auch beantworten. JA. Die Musik hätte mich dann vermutlich noch viel mehr gestört. Denn ich bevorzuge ganz klar die Tänzer, die sich komplett in der Musik verlieren und sich von ihr tragen lassen. Technik u Figuren sind mir da weitestgehend egal (solange ich meine Achse behalten darf). Und mit genau "meinen" beiden bevorzugten Herren habe ich in letzter Zeit auch Milongas besucht, die eben keine gute Musik hatten. Und wir haben nicht hineingefunden. Keine Chance. Ich lebe da komplett vom Herrn. Wenn er nicht mitgenommen wird u ein Stück in das nächste führt, dann kann er auch mich nicht mehr mitnehmen. Das kann ich nicht kompensieren.

Dieses Thema haben ich mit beiden Herren schon öfter erörtert. Und wir sind uns einig, dass wir einen guten DJ brauchen, um einen guten Abend verleben zu können.

Ein ganz klares Zeichen für mich ist auch immer, wenn ich gut sitze u damit kein Problem habe. Dann passt die Musik nicht, ist nicht mitreißend, baut nicht aufeinander auf, geht nicht in die Füße, nimmt die Stimmung des Raumes/der Paare u Anwesenden nicht auf. Wenn das alles passt, also richtig gut aufgelegt wird, ist es eine einzige Qual zu sitzen.

Tja, und bei diesem Ball (wo ER auch war... ;-) hatte ich keine Probleme zu sitzen.

Gute Frage Tangosohle! Wie geht es denn Dir in solchen Situationen? Kann eine Tanguera Dich so weit von der Musik lösen, dass alles ok ist, was gespielt wird?

@Cassiel
Entspann Dich einfach - ist das nicht eine Eigenschaft, die Euch himmlischen Wesen eh zu eigen ist?
;-)

Tangosohle hat gesagt…

Ich hadere mit der Antwort, welcher Regung werde ich dabei wohl ungerecht?
Natürlich kann eine Tanguera bedeutender als die Musik werden. Führen durch Hingabe, Fordern durch Klarheit, Bitten und geschehen lassen, aufeinander hören, verlangen, Du denken (...)
Das sind die Stichwörter, die zu einem Ja, sie kann hinführen.

Terpsichoral hat gesagt…

Ich bin hier ueberhaupt keine Expertin. Moechte aber drei kurze, sorgfaeltige Bemerkungen machen.

1. In meiner Erfahrung (hauptsaechlich in Buenos Aires) spielen die allermeisten Live-Orchester ziemlich viele Valser und Milongas. Und hoeren fast immer mit flotten Milongas ihren Set auf. Daher wuerde ich denke, man sollte eher mit etwas ein bisscher sanfter (aber doch nicht zu sanft) den Set danach anfangen. Auf keinen Fall mit einer Milonga-Tanda.

2. In Buenos Aires ist es auch ueblich, dass die Live-Orchester einem bestimmten Orchester nachspielen: sei es D'Arienzo, Di Sarli, Pugliese, usw. Das hilft, ihre Stilrichtung zu bezeichnen.

3. Mir geht es in erster Linie darum, welche gute Taenzer da sind und mit mir tanzen. Doch tanze ich natuerlich viel lieber zu guter Musik. Und wenn die Musik mittelmaessig ist, bleiben viele gute Taenzer sitzen. Dasselbe gilt fuer untraditionelle Musik: die Maenner sitzen dann. Und in Europa, wo man mehr als eine Tanda am Stueck miteinander tanzen kann finde ich es besonders unschoen wenn ich in den Armen eines sehr guten Taenzers bin und etwas modernes aus den Lautsprechern klingt, denn ich weiss dass der Taenzer in diesem Moment unseren Tanz fast sicher unterbrechen wird, weil solche Musik die allermeisten von der Tanzflaeche jagt.

Cassiel, ich vermute, dass einige deiner Meinungen zur Rolle des DJs inzwischen veraendert haben koennte und wuerde mich ueber einen erneuten Beitrag zu diesem Thema doch sehr freuen. Bitte! Ich bin sicher nicht die einzige, die da neugierig ist.